Nix für Lemminge 2016: Themenvorstellung – Pretty in a dress, powerful in a suit

Freitag, 05. Februar 2016

Nix für Lemminge ist eins der Projekte, an denen ich am meisten Spaß gefunden habe. Als Alexandra ankündigte, dass es dieses Jahr eine modifizierte Version geben würde, war ich sofort dabei. Alle anderen Sew Alongs habe ich seit Ende letzten Jahres ausgelassen, da mein Studium und Job mich sehr in Beschlag nehmen. Aber da wir dieses Jahr mehr Zeit zu Verfügung haben werde ich für Nix für Lemminge eine Ausnahme machen.

Die Auswahl des Themas

Zur Themenauswahl stehen Traditionelle Kleidung, Märchen und Men’s Wear.

Traditionelle Kleidung schied sofort aus, auch wenn es das einzige Thema ist, das ich noch nicht gewählt hatte. Folkloristische Inspirationen finde ich durchaus spannend, aber es gibt es zwei Gründe, die für mich dagegen sprechen:
Zum einen sind die Schnitte und Verzierungen, die mir spontan einfallen, nicht meins.
Zum anderen weiß ich persönlich nicht, wo die Grenze zu cultural appropriation beginnt – ich möchte nicht die Traditionen anderer, (ehemals) unterdrückter Kulturen dafür missbrauchen, mir ausgefallene Kleidungsstücke zu designen. Und die deutschen Trachten – naja. Siehe oben: nicht wirklich meins.

Märchen habe ich 2014 schon mal gewählt und eine moderne Persephone dargestellt. Meinen dreiteiligen Las Vegas/Brandon Flowers-inspirierten Hosenanzug habe ich zum Dressmakers‘ Ball 2015 getragen.

So richtig konnte ich mich weder für das eine, noch für das andere Thema erwärmen – beide Themen gefielen mir, aber einen Favorit hatte ich nicht.

Frauen und Macht – kein Wunder, dass die keinen Mann haben

Märchen, da fallen einem natürlich gleich die allbekannten Grimm-Geschichten und -Figuren ein, aber ich wollte weder Rotkäppchen noch Schneewittchen sein. Ich recherchierte nach folkloristischen Geschichten aus der Nordischen Mythologie, aus Irland, Island, fand aber keine, die mich wirklich überzeugen konnten, vor allem, da sie für uns relativ unbekannt sind. Ich wollte etwas mit Wiedererkennungswert, dass man bei betrachten der Kollektion eine Assoziation hat.
Meine Gedanken wanderten zu den bösen Stiefmüttern, Hexen und grausamen Königinnen. Um weibliche Märchenfiguren, die so etwas wie Macht hatten. Die meisten davon haben keinen Mann (mehr) oder haben ihn sich vom Hals geschafft. Und da mit Frauen, die nach Macht(positionen) streben, etwas nicht stimmen kann, werden sie als missgünstig, eifersüchtig und böse dargestellt.

Diesen Figuren stehen die „Guten“ und „Netten“ gegenüber, die als Requisite für die Männer in ihren Geschichten dienen oder da sind, um eine bescheuerte Moral zu illustrieren (mach den Haushalt für sieben Männer, aber nimm keine Äpfel von Fremden an, du gutgläubiges Ding). Die weiblichen Figuren, die eingesperrt, vernachlässigt, davongejagt, manipuliert und misshandelt werden, die ihre Zustände ertragen, ohne Widerworte zu geben, die gehorsam sind und dafür am Ende mit einem Prinzen belohnt werden, der sie aus ihrer Misere rettet.

Märchen-Frauenrollen, auf den Kopf gestellt

Was wäre, wenn diese Figuren nicht mehr mitspielen würden? Wenn Gretel nach dem Sieg über die Hexe in ihr Haus einziehen, wenn Cinderella den Besen in die Ecke werfen und die Stadt verlassen, wenn Schneewittchen zur Waldgöttin aufsteigen, wenn Dornröschen den Bann brechen und die Dornenranken ihrem Willen unterwerfen würde? Was, wenn diese Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen würden?

Genau wie bei Persephone ist auch bei dieser Runde die Kombination von Frauenbildern und Macht ein Motiv. Women in powersuits. Aber Men’s wear allein bot mir, nachdem ich mich schon mit dem Thema befasst und einen Hosenanzug genäht hatte, auch keine Reize mehr.

Seit ich mich mit der Konkretisierung meines Projekts beschäftige, geht mir dieses Zitat nicht mehr aus dem Kopf:

And I wonder what it says about me
that I feel pretty in a dress,
but powerful in a suit.

(Baird, Blythe: Girl Code 101. Give Me A God I Can Relate To, Lulu Press, Inc, 2015. (Google Books))

Warum ziehe ich eine Hose und einen Blazer an, wenn ich ernster genommen werden möchte? Und warum ein Kleid oder einen Rock, wenn ich abends ausgehe (mag jedes Quartal mal vorkommen)? Power vs. prettiness, die Verinnerlichung von gender roles und wie sie sich auf der alltäglichen Ebene ausdrückt. Mal ganz davon abgesehen, dass gender nochmal ein ganz eigenes Thema ist: sobald ich kurze kürzere Haare Habe, sind mir Kleider und Röcke zuwider. Es kostet mich dann Überwindung, sie anzuziehen, auch wenn ich eine Woche vorher noch ganz selbstverständlich danach im Kleiderschrank gegriffen habe. Mich zieht es dann eher zu Hosenträgern und Krawatten.

Pläne für die Kollektion

Sobald mir klar war, dass ich mich nicht für das eine oder andere Thema entscheiden muss, fingen auch die Ideen zu sprudeln an. Warum sollte ich meine Kreativität einschränken, wenn dieser „Regelverstoß“ sie viel mehr beflügelte als jedes Brainstorming zu einem Thema?

Meine Kollektion wird aus Märchen und Men’s wear bestehen, wobei die Kleidungsstücke aber mehr oder weniger eindeutig dem einen oder anderen Thema zugeordnet werden können. Eine Vermischung habe ich nicht geplant. Aber wer weiß, was auf dem Weg noch passiert?
Spannend finde ich vor allem, dass ich am Ende zwei Kollektionen haben werde, die scheinbar gegensätzlich sein werden, die Einzelteile aber trotzdem miteinander kombiniert werden können.

Wie oben erwähnt habe ich nicht vor, an vielen Sew Alongs teilzunehmen. Deswegen ist Nix für Lemminge das Ventil für meine Kreativität, auf das ich mich ganz konzentrieren kann – neben meinen allein stehenden Nähprojekten, versteht sich.
Aus diesem Grund bin ich auch schon relativ weit: meine Moodboards sind fertig, meine Entwürfe stehen und zu nähen habe ich auch schon angefangen.
Die größte Herausforderung wird sein, größtenteils Stoffe aus meinem Fundus zu verwenden. Ich habe, wenn die Inspiration da ist und der Entwurf Form annimmt, doch eine sehr genaue Vorstellung von dem, was ich will, und genau diesen Stoff oder jene Farbe im Fundus zu haben ist dann problematisch. Bei NFL möchte ich kompromissbereiter sein.

Meine Moodboards sind öffentlich auf Pinterest, daher möchte ich sie auch nicht vorenthalten – vielleicht wird ja die ein oder andere dadurch inspiriert bei der Ideenfindung.
Genauere Erläuterungen, wie die Boards mit meiner Kollektion zusammen passen und was genau Motive sein werden, gibt’s dann beim nächsten Termin.

Follow Jenny’s board Moodboard: Nix für Lemminge 2016 – Fairy Tale on Pinterest.

Follow Jenny’s board Moodboard: Nix für Lemminge 2016 – Menswear on Pinterest.

Das Link-Up gibt es bei Alexandra – die ganz ähnlich Gedanken wie ich zu den Themen hatte.

P.S.: Von Blythe Baird gibt es auch einen Poetry-Slam-Beitrag von Girl Code 101 auf Youtube.

Tom Sweater von Hien Le (CUT Magazin #14)

Mittwoch, 03. Februar 2016

Tom Sweater von Hien Le (CUT Magazin #14)

Oooh, was war ich vernarrt, als ich die Online-Vorschau der Cut #14 durchgeschaut habe. Dieser Pullover! Zwar ein Männermodell, aber Oversize ist ja sowieso in, zumindest bei mir, und der Tom Sweater von Hien Le wäre nicht der erste Herrenpullover, den ich trage.
Eigentlich ist er ganz anders als das, was man vom Blog her von mir gewohnt ist. Manchmal verlangt es mir nach reduzierten, aber raffinierten Schnitten. Ich könnte die ganzen Kollektionen von COS kaufen, hätte ich das Geld. Gut durchdachtes Design, das Spiel mit den Materialien, das gefällt mir.
Der Tom Sweater reiht sich da hervorragend ein.

Also begab ich mich auf die Suche nach der Cut. Bei den Kiosken und Bahnhofsläden, in denen ich es versuchte, hatte ich kein Glück. Mein wunderbarer Freund nahm schließlich nach Feierabend einen Umweg über den Stuttgarter Hauptbahnhof und wurde dort fündig. Kennt ihr das Problem auch mit Nischen-Magazinen?

Hien Le Tom Sweater (Cut Magazin #14)
Hien Le Tom Sweater (Cut Magazin #14)

Schon während der Odysee schwebte mir ein Materialmix vor: ich hatte noch einen Rest des wunderbaren Wollstoffes, den ich auch für die Käferjacke „Rosa“ aus der Burda Vintage (Die Fantastischen Fifties, 2014) verwendet hatte. Für das Vorderteil und die Passen hat die Menge unter leichter Veränderung des Schnittes genau gereicht.
Original ist vorgesehen, dass die Taschenbeutel angeschnitten sind und die vordere Passe und das Vorderteil nicht im Bruch zugeschnitten werden. Ich habe aber die Taschenbeutel separat angenäht, so konnte ich den Stoff im Bruch zuschneiden und Material sparen.

Hien Le Tom Sweater (Cut Magazin #14)
Hien Le Tom Sweater (Cut Magazin #14)
Hien Le Tom Sweater (Cut Magazin #14)

Für Ärmel und Rückteil habe ich einen dunkelblauen Sweat-Stoff von stoffe.de verwendet. Eine tolle, stabile Qualität, wie ich finde – allerdings arbeite ich auch nicht oft mit Strickstoffen.
Die Taschenbeutel sind aus einem Rest Viskosestoff. Die Kanten habe ich mit passendem Garn durchgetupft.

Tom Sweater von Hien Le (CUT Magazin #14)

Der Sweater würde sich, noch etwas verlängert, bestimmt auch super als Kleid machen. Auch wenn der Winter nach ein paar schneereichen Tagen eine Pause einlegt wärmt der Sweater wunderbar bei Wind.
Ich kann mir gut vorstellen, nochmal ein Exemplar zu nähen. Der Materialmix mit elastischem Sweat/Strickstoff und nicht dehnbarem Wollstoff klappt super, ich bin nicht eingeengt beim An- oder Ausziehen. Der Schnitt bietet sich auch an für Farb- und Musterkominationen und Colour Blocking, das stelle ich mir auch spannend vor.
Genäht habe ich ihn mit der Nähmaschine und der Overlock, das geht nicht ganz so schnell wie ein Sweater, den man einfach schnell mit der Overlockmaschine zusammen nähen kann, aber das Ergebnis finde ich auch umso schöner.

Hien Le Tom Sweater (Cut Magazin #14)

Happy MeMadeMittwoch!

Samtweste [MeMadeMittwoch #58]

Mittwoch, 27. Januar 2016

Ich wundere mich in letzter Zeit oft, warum ich jahrelang der Farbe Lila nichts abgewinnen konnte. Im letzten Jahr habe ich Lila in allen Varianten getragen, oft von Kopf bis Fuß, und liebe es!

Mein lila Mantel nach eigenem Schnitt ist dieses Jahr Dauerbrenner. Ich habe einen ganz wunderbar weichen Wollschal gefunden, der sich farblich perfekt in mein Beuteschema fügt und fast jeden Tag getragen wird.


Darunter trage ich meine Jacke vom Herbstjacken-Sew Along 2014, die ich meistens eher als Blazer trage.


Die Weste, die ich parallel zu der letzte Woche vorgestellten genäht habe, hat viel weniger Spaß gemacht. Sie ist aus einem kleinen Rest Stretch-Samt entstanden, was mir als ideales Reste-Aufbrauch-Projekt vorkam. Aber trotz komplett bebügelten Vorderteilen und unelastischer Einlage hat der Stretchanteil das Nähen zur Geduldsprobe gemacht, vor allem die Knopflöcher waren sehr anstrengend zu nähen. Mein Liebling ist diese Weste also nicht.



Um noch ein bisschen Variation rein zu bringen habe ich bei dieser Weste aus den Abnähern Wiener Nähte gemacht. Taschen hat sie keine, da ich die Weste etwas kürzer zuschneiden musste. Dafür ist der Stoff jetzt restlos aufgebraucht.

Die Stiefel sind Second Hand. Ich liebe sie über alles, sie waren kaum getragen, sind aus wunderbar weichem Leder und lassen sich auch umgekrempelt tragen. Zusammen mit dem Blumenmuster des Rocks und dem lila Lippenstift wirken sie toll 90’s Grunge.

Mantel: selbstgenäht (eigener Schnitt)
Blazer: selbstgenäht (Burda Style 06/2012, Modell 121)
Weste: selbstgenäht
Bluse: Second Hand & other stories
Rock: Second Hand (90er-Jahre Marks & Spencer)
Schuhe: Second Hand

Happy MeMadeMittwoch!

Die Weste ist der zweite Teil meines Beitrags zur Januarausgabe von 12lettersofhandmadefashion.

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