Show-and-Tellerrock, Teil I: Schnitterstellung und Zuschnitt

Donnerstag, 24. Juli 2014

Los geht es mit dem betreuten Nähen! Are you excited? Because I sure am! Ihr braucht:


- Oberstoff (am besten nicht zu flattrig und durchscheinend! Hier funktionieren dichtere Stoffe am besten)
- Futterstoff
- einen Nahtreißverschluss, ca. 20cm lang (besser länger)
- wenn ihr Nahttaschen machen möchtet: die könnt ihr z.B. aus dem Futter zuschneiden. Ich mag es etwas strapazierfähiger und verwende meistens ganz gewöhnliche Uni-Baumwolle
- wenn ihr Aufhänger einnähen möchtet: ich verwende sehr gerne das handelsübliche Satinband dafür. Ihr könnt natürlich auch Lederbändchen oder sonstwas nehmen. Wie ihr mögt!
- (Bund-)einlage
- Versteifungsband (auch Crinoline oder horsehair braid), erhältlich z.B. auf Ebay

Noch eins vorneweg: Übers Wochenende bin ich in Berlin und werde vielleicht ein, zweimal hier reinschauen, aber euren Kommentaren und Fragen werde ich mich dann am Montag widmen!

Die Anleitungen werden sehr bildlastig ausfallen, daher werde ich sie mit Cuts versehen. Ready?
weiterlesen »

Betreutes Nähen: Show-and-Tellerrock (Wie, wo, was?)

Montag, 14. Juli 2014

Letzte Woche war der letzte MeMadeMittwoch vor der Sommerpause, den ich aber (bewusst) habe ausfallen lassen.
Man könnte meinen, dass ich wieder anfange, das Nähen schleifen zu lassen, aber das Gegenteil ist der Fall: vor lauter gezwungenermaßen-und-für-andere-Nähen komme ich gar nicht dazu ein neues Projekt anzufangen oder habe schlichtweg abends keine Lust mehr dazu, für mich selbst zu nähen.
Was für ein Glück, dass der Show-and-Tellerrock (get it?) längst fertig und bildlich dokumentiert ist. Phew! Ich war zum Glück so klug, die Motivation auszunutzen, solange sie da war.

Aber von vorne: nachdem ich so viele nette Kommentare und einige Fragen zu meinem Toile de Jouy-Tellerrock erhalten habe, habe ich mich entschlossen, eine Art Sew Along zu veranstalten. Wie der aussehen sollte war mir noch nicht ganz klar, da ich selbst zwar Sew Alongs als super Idee erachte, aber noch nie bei einem mitgemacht habe, weil mich einfach der Termindruck mehr hemmt als motiviert.
Es wird daher eher ein betreutes Nähen werden, wie eine meiner liebsten Kommentatorinnen es genannt hat. Ich schreibe eine Reihe von Anleitungen, von der Schnitterstellung bis zum letzten Stich, und wer möchte, ist natürlich sehr herzlich dazu eingeladen, mit zu machen. Über Rückmeldungen, Blogeinträge und Bilder von den fertigen Röcken würde ich mich natürlich unendlich freuen!

Mitnähen kann jede_r, mit oder ohne Blog, der Einstieg ist natürlich jederzeit möglich und für Fragen gibt es die Kommentarfunktion oder – zur Not – Email. Ersten Fragen habe ich mich auch schon in einem Blogpost gewidmet.
Los geht es nächste Woche. Den Zeitplan habe ich mir wie folgt überlegt:

Donnerstag, 24. Juli – Schnitterstellung und Zuschnitt
Montag, 28. Juli – das “Grundgerüst” nähen, Nahtreißverschluss und Nahttasche einnähen
Donnerstag, 31. Juli – Saumverarbeitung und den Nahtreißverschluss einfüttern
Montag, 4. August – Bundverarbeitung, Finish

Zuerst wollte ich die Anleitungen im Wochenrhythmus veröffentlichen, aber sollte jemand mitnähen wollen, fände ich es fairer, die Person(en) nicht immer eine Woche warten zu lassen – ich selbst mag es auch nicht, wenn Projekte ruhen. Und, wie gesagt, jede_r kann in dem Tempo nähen, das angenehm ist.

Jetzt ist es Zeit für die Vorstellung meines Rockes, den ich meiner Freundin Laura genäht und geschenkt habe:




Ich hatte ja sowieso schon die Idee im Hinterkopf, noch einen Rock für eine Anleitung zu nähen, und als ich den Stoff gesehen habe, musste ich sofort an Laura denken – sie steht total auf Schäfchen und die Farbe konnte ich mir auch gut an ihr vorstellen.
Der Oberstoff ist aus fester Baumwolle, das Futter ist cremeweißes Venezia-Futter (mein Lieblingsfutter!).
Für so einen Tellerrock würde ich generell eher Stoffe mit etwas Stand empfehlen, also keinen feinen Seidensatin, Batist oder ähnliches. Aber andererseits bin ich auch der Meinung, dass Ausprobieren und den eigenen Kopf durchsetzen oft besser ist als manch guter Rat.
Stoffverbrauch und Zutaten: Der Stoffverbrauch ist abhängig von der Länge eures Rocks. Generell braucht ihr für den Oberstoff zweimal die Länge plus gegebenenfalls ein bisschen was zum Verschieben der Schnittteile, wenn ihr ein Muster an den Nähten abstimmen wollt.
Achtet aber darauf, wie breit der Stoff liegt! Liegt der Stoff nicht so breit, wie euer Rock lang sein soll, müsst ihr mehr Stoff einplanen, denn der Rock wird dann im rechten Winkel zum Fadenlauf zugeschnitten. (Darauf werde ich aber noch im ersten Post eingehen.) Da der Verschnitt leider recht groß ist, sollte der Bund daraus zugeschnitten werden können. Wenn ihr sicher gehen wollt, rechnet noch etwas mehr Stoff für den Bund ein.
Für das Futter gilt das gleiche wie den Oberstoff, allerdings braucht ihr kein Futter für den Bund (auch wahrscheinlich auch keine Zugabe fürs Muster).
Außerdem verwende ich ein Versteifungsband im Saum – je breiter, desto schönere “Wellen” macht der Rock – ich habe ein 3,5cm breites verwendet. Erhältlich ist es auch unter dem Namen Crinoline oder horsehair braid. Im Stoffladen habe ich es noch nie gesehen, ich habe meins über Ebay bezogen.
Nahtreißverschluss, Haken und Öse (ich nehme gerne flache Bundhaken, die fast so breit sind wie der Bund), Taschenfutter (oder ein Rest vom Futter oder von einem anderen Stoff, wie ihr mögt) für die Nahttaschen, Satinband für die Aufhänger und Bundeinlage (ich habe diese vorgestanzte genommen) in der gewünschten Breite eures Bundes sind die restlichen Zutaten. Die können natürlich nach euren eigenen Vorlieben abgeändert werden, meine Vorlage dient ja nur der Orientierung.

Wer meinen Show-and-telll verlinken möchte, ist natürlich herzlich dazu eingeladen, ich hab da mal was vorbereitet:


Einfach den Code copieren und in die Sidebar oder den Beitrag packen. Der Link führt zu diesem Post, alle Beiträge zu dem Thema können unter dem Tag Show & Tellerrock angesehen werden.
Wie sehen uns nächste Woche!

English Roses (Oma-Gedächtnis-Kleid) [MeMadeMittwoch #14]

Mittwoch, 18. Juni 2014

Meine Oma hat immer Röcke getragen. Als sie vor ein paar Jahren gestorben ist, habe ich einige der Röcke behalten, darunter drei Plissee-Röcke in rot, marineblau und schwarz. Die Röcke sind nichts Besonderes und sehen aus wie die, die man auch bei H&M bekommt, nicht mal besonders toller Stoff sondern irgendein Chemiefaser-Gemisch, das ich sonst nie tragen würde, aber diese Röcke trage ich – wäre ja schade drum. Allerdings habe ich sie erst um einiges gekürzt und ein neues Gummi in den Bund eingezogen.
Außerdem habe ich auch noch einen Rock aus einem leicht aufgerauten, aber trotzdem leichten Baumwollstoff mitgenommen. Das Muster hatte es mir angetan, Blumen auf schwarzem Grund mit Spitzköper.

Der Rock ist ziemlich weit und hat genug Stoff zum Umarbeiten, aber bisher ist noch nichts Neues draus entstanden.
Dafür bin ich (vor einem Jahr?) über einen Stoff gestolpert, der mich sofort wieder an diesen Rock erinnert hat: eine Frau aus dem Nachbarstadtteil hat die Stoffsammlung ihrer Mutter aufgelöst und mir und Laura einen ganzen Kofferraum voller Stoffe für Mau abgegeben. Solche Leute sind unglaublich toll.

Der besagte Stoff hatte ebenfalls ein Blumenmuster, diesmal auf nachtblauem Grund, ebenfalls mit Spitzköper und in der gleichen Stoffart wie der Rock meiner Oma. Obwohl die Muster nicht sonderlich ähnlich sind, hatte ich sofort das Gefühl, dass die Stoffe aus der gleichen Kollektion sein könnten.
Ich habe von Textildesign aber zu wenig Ahnung, um abschätzen zu können ob das tatsächlich hinkommt, aber die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen.

After my grandma’s death a few years ago I kept a couple of things, amongst them this skirt. I like the fabric but haven’t gotten the muse to do anything with it yet.
Maybe a year ago I stumbled upon a fabric that looked really similar. It wasn’t until this month that I finally came around to use it for a dress.


Ich bin meinem Plan, erstmal (aufgrund von Frustration) andere Firmen als Burda auszuprobieren, treu geblieben, und habe mich für das Simplicity 1652-Schnittmuster entschieden, das ich zusammen mit dem supertollen New Look-Schnittmuster, das ich für mein Rosalie-Kleid verwendet habe, bei einem Sale gekauft habe.
Ich finde den Rückenausschnitt grandios, aber diese Riegel am Vorderteil kommen mir sehr albern vor, und was soll die Kette auf dem Model-Bild? Ich meine, das könnte funktionieren, tut es aber bei diesem genähten Kleid nicht. Wirklich, die Umsetzung der großen Firmen kommt mir meistens vor wie gewollt und nicht gekonnt.

Also, Stoff und Schnittmuster waren klar. Dann bin ich über eine Umsetzung eines Schnittmusters der französischen Indie-Marke Deer and Doe auf awfully nice gestoßen und mir war klar: das mit dem Reißverschluss muss ich auch machen, das nimmt wieder etwas von dem “feine englische Dame”-Flair raus.

I chose Simplicity 1652 that I bought on sale along with the New Look pattern I already used. I liked the back view with the angled yokes and when I saw awfully nice‘s take on the Belladonne dress, I felt inspired to use a metallic zipper too.


Der Reißverschluss geht die komplette hintere Mitte bis zum Saum runter. Öffnen lässt er sich aber natürlich nicht so weit. ;)
Ich habe den Reißverschlusseinsatzpunkt ein paar Zentimeter nach unten versetzt, sodass die Nähte keine Gerade mehr bilden, sondern schräg sind. Hätte noch mehr sein dürfen, aber ich wollte auf keinen Fall, dass meine BH-Schnalle in das Fenster gerät, also war ich vorsichtig.

Gespannt war ich vor allem, ob die ganze Konstrutkion am Rücken abstehen würde. Antwort: Ein wenig. Wahrscheinlich trägt das Gewicht des Zippers auch dazu bei, dass der Stoff leicht nach außen neigt. Aber ich werde den Rückenausschnitt noch von Hand etwas einhalten, das sollte das Problem beheben.
Was die “Dreiecke” (der Einfachheit halber) betrifft: laut technischer Zeichnung sollten die Stoß auf Stoß sein. Ich habe schon vermutet, dass das bei mir nicht so sein würde, da ich relativ schmale Schultern habe, von den Standardmaßen ausgehend. Natürlich hätte ich den Schnitt ausmessen können (haha! as if…), aber ich habe auch etwas auf den Effekt gehofft, der sich ergeben hat: dass die Dreiecke sich überlappen und mit Druckknöpfen geschlossen werden können.

I have rather narrow shoulders and already suspected that the yokes would overlap, but I really like the effect. I close them with two small poppers.


Vor dem Schnitt abnehmen habe ich wieder recherchiert und oft gelesen, dass auch bei diesem Schnitt die Größen relativ großzügig bemessen sind. Außerdem gibt es bei den Amazing Fit-Schnittmustern pro Körbchengröße einen eigenen Oberteilschnitt. Ich habe wieder eine Size 10 mit B-Cup genäht und musste nur oben an der Wiener Naht ein bisschen was wegnehmen – Daumen hoch für Simplicity! Oder zumindest für dieses Schnittmuster.

Das Kleid macht eine sehr schöne Silhouette, auch wenn die Nahttaschen in den vorderen Teilungsnähten des Rockteils etwas auftragen – war aber auch von vornherein klar.
Ich habe mich diesmal für die ärmellose Variante entschieden, ich habe – trotz meinen stetigen Hitzewallungen – vergleichsweise wenig ärmellose Sachen im Schrank. Die Armausschnitte habe ich mit Schrägband eingefasst, aus dem gleichen Stoff, aus dem ich auch den Bund für meinen Toile de Jouy-Tellerrock gemacht habe. Beim Rock wirkt der Stoff eher dunkelrot, beim Kleid leicht lilastichig.

Beim Zuschnitt habe ich erst versucht, das Muster an den Nähten übereinstimmen zu lassen, aber der Stoff ist doch sehr wabbelig, sodass ich es dann gelassen habe. Es war heiß und meine Geduld begrenzt.
Beim ersten Mal anziehen war ich total erstaunt, wie luftig und leicht der Stoff anliegt. Ich hätte erwartet, dass er wegen der leicht aufgerauten Baumwollgarnen wärmer wäre, aber zum Glück ist das nicht so.

I had to alter the princess seams a little bit, but otherwise the dress fits rather well. I like the silhouette, even though the in-seam pockets add a little volume in the center front – but that was to be expected.
I omitted the tabs because I’m not a fan of those.
I really like this dress! I think my grandma would have liked it, too. The brooch and the little bag were hers and I like how well everything matches, especially my two purple hats – I truly feel like a British lady that has been invited to tea in a rose garden.


Ich bin sehr happy über das Kleid, auch wenn es nicht ganz perfekt ist. Hier und da gibt es ein paar Kleinigkeiten, die ich das nächste Mal anders machen würde, aber fürs erste ist das egal. Ich kann mir gut vorstellen, den Schnitt nochmal zu nähen, dann vielleicht mit geschlossenem Rückteil.
Die Brosche und das Täschchen sind übrigens ebenfalls Erbstücke von meiner Oma. Passt wunderbar zusammen – ich bin mir sicher, dass ihr das Kleid auch gefallen hätte. :)
Außerdem bin ich vollkommen entzückt, wie gut meine beiden lila Hüte zu dem Muster passen. Da fühle ich mich tatsächlich wie eine britische Dame, die eine Einladung zum Tee im Rosengarten wahrnimmt.

tl;dr (too long didn’t read)
Schnittmuster: Simplicity 1652
Stoff: leicht aufgerauter Baumwollstoff mit Blumenmuster (erinnert mich an Pfingstrosen) mit schwarzem Spitzköper; schwarze Baumwolle für die Belege
Zutaten: selbstgemachtes Schrägband zum Einfassen, langen Metallreißverschluss, kleine Druckköpfe, Ripsband als Untertritt
Nachnähfaktor: Oh ja. Ich mag die Silhouette und habe schon eine Idee für ein zweites Kleid, allerdings mit geschlossenem Rückteil. Mal sehen, wann und ob ich das in Angriff nehme.

Noch mehr schöne Kleider und Kleidung gibt es immer wieder mittwochs beim MeMadeMittwoch!

 1 2 3 4 5 6 ... 60 61 »