Show-and-Tellerrock, Teil III: Saumverarbeitung und Reißverschluss einfüttern

Donnerstag, 31. Juli 2014

Als erstes werde ich mich dem Saum widmen, da es angenehmer ist, diesen zu verstürtzen, bevor der Reißverschluss eingefüttert ist.

Saumverarbeitung mit Versteifungsband/Crinoline/horsehair braid
Für die Saumverarbeitung gibt es zwei Möglichkeiten: entweder, ihr lasst das Futter gleichlang wie den Oberstoff, schiebt es aber ein Stück raus, oder ihr schneidet es einen Zentimeter ab. Lest am besten erst die komplette Anleitung durch, bevor ihr euch entscheidet.
Ich persönlich bevorzuge es, das Futter einfach raus zu schieben, da es mir zu viel Aufwand wäre, am Futtersaum noch einen Zentimeter anzeichnen und diesen dann abschneiden zu müssen. Ich verstehe aber auch, wenn jemand die andere Methode besser findet!

Versichert euch, dass ihr die richtigen Seiten aufeinander steckt – also die komplett geschlossene Seitennaht des Futters zur Nahttasche und die andere Seitennaht zum Reißverschluss.
Ich stecke den Oberstoff- und Futtersaum rechts auf rechts mit Quernadeln aufeinander und schiebe dabei das Futter einen Zentimeter raus (= es schaut einen Zentimeter über den Oberstoffsaum hinaus).
Steckt so, dass eure Zwicke aufeinander stimmen, und dass beim Nähen der Oberstoff oben liegt. Seid ihr einmal rundherum gekommen (ganz schön lang, der Saum, stimmt’s? :D) könnt ihr den Saum verstürtzen:


Die Kante des Futters könnt ihr an der 2cm-Markierung eurer Stichplatte entlang führen. Legt das Versteifungsband zu unterst – es soll bündig mit dem Oberstoff liegen. Ihr könnt euch entweder am Oberstoff orientieren, oder das Band so legen, dass es an der 1cm-Markierung entlang läuft. Ich habe immer ca. 10cm-Strecken genäht, wieder geschaut, ob das Band richtig liegt bzw. es bündig mit dem Oberstoff gelegt, festgehalten, wieder eine Strecke genäht…
Das hört sich jetzt wahrscheinlich komplizierter an, als es ist. Ich komme mit dieser Methode sehr gut zurecht und es geht auch schneller, als es durch die Erklärung scheint. Wer sich damit eher unsicher fühlt, kann natürlich auch ausprobieren, das Band mit zu stecken. (Ich habe damit nur keine Erfahrungen und kann für nichts garantieren!) Oder, wie bereits erwähnt, das Futter einen Zentimeter abschneiden und alle Schichten bündig bei einem Zentimeter an zu nähen. Wichtig ist nur die Reihenfolge: Oberstoff, Futter, Band.

Bügelt den Oberstoff um das Versteifungsband herum, es sollte einen satten Abschluss und eine schöne Kante geben. Ich bügle in diesem Fall auf der rechten Seite, da ich mir gedachte habe, dass das Futter und Versteifungsband so etwas besser vor der Hitze geschützt sind. (Ich habe einmal zu oft töricht mit heißem Bügeleisen versucht, Synthetik zu bügeln…)

Tipp: Wenn ihr das Gefühl habt, dass sich das Band an der Oberkante nach außen biegt und es am Oberstoff sichtbar ist, könnt ihr folgendes ausprobieren:
a) Heftet mit der Maschine (mit 4er-Stich) an der Oberkante des Bands durch und haltet es etwas ein. Das Band sollte das gut mitmachen, da es sich gut stauchen lässt. Aber nicht zu sehr, da ich vermute, dass sonst der Saum einen Drall nach außen bekommt.
b) Näht die obere Kante des Bands am Futter an. (Dann wäre am Futter eine Stepplinie sichtbar)
Ich hab beides noch nicht ausprobiert, da ich bisher recht dicke Stoffe hatte, bei denen sich nichts durchgedrückt hat. Beim Schreiben der Anleitungen kam mir aber der Gedanke, dass das ein Problem bei dünneren Stoffen sein könnte.

Reißverschluss einfüttern
Kennt ihr Leute, die keinen Handstich machen, solange es auch maschinell geht? Ich auch. (Mich.)
Das hier ist was für diese Leute. Futter anstaffieren? No thankie.

Ihr erinnert euch: Wir haben einen Schlitz am Futter für den RV offen gelassen, der etwas länger als unser Oberstoff-RV-Schlitz ist. Das Futter ist an den Seitennähten gleich lang geschnitten wie der Oberstoff, das heißt, wir müssen auch hier etwas rausschieben, da wir das Futter leicht versetzt annähen:



Steckt das Futter rechts auf rechts am Reißverschluss auf den Oberstoff – hierbei sollte es an der Bundansatznaht bündig sein. An der Seitennaht habe ich das Futter einen Dreiviertelzentimeter raus geschoben. Ob euer Futter spannt oder zu locker ist könnt ihr kontrollieren, indem ihr erst das Futter am RV ansteckt und dann die Zwicke an der Bundsansatznaht am Oberstoff und Futter an der hinteren bzw. vorderen Mitte aufeinander haltet. (Was für ein Satz! Also: VM am Oberstoff und Futter aufeinander halten/stecken, genauso mit der HM) Spannt das Futter, müsst ihr weniger raus schieben.
Ist alles okay, könnt ihr das Futter annähen: einfach auf der Nahtzugabe bis ca. 2cm vor Schlitzende runter nähen. Euer Füßchen dient der Orientierung: durch das Futter könnt ihr deutlich die RV-Zähnchen spüren, lasst das Füßchen einfach daran entlang laufen; somit näht ihr das Futter mit einem Abstand von einem halben Zentimeter zur RV-Mitte an.

Seid ihr 2cm vor eurem Schlitzende angekommen, legt die Seitennaht des Futters genau auf die Seitennaht des Oberstoffs bzw. auf die Mitte des RVs. Haltet eure Verrieglung am Futter fest und schiebt sie eine Wiiiinzigkeit nach oben, so viel Weite, wie euer Futter verträgt, ohne dass später beim Nähen Falten entstehen. Näht einfach weiter wie bisher: mit dem Füßchen am RV entlang, ohne etwas am Abstand zu verändern. Näht ein Stück über die Verriegelung der Futter-Seitennaht hinaus und verriegelt dann eure Naht:

Die weiße Naht ist die Seitennaht meines Futters, die gelbe meine Einfütter-Naht. Ihr seht, dass vor der Verriegelung der Seitennaht etwas Weite eingeschoben ist. Diese ist dazu da, dass das Futter auf keinen Fall am Reißverschluss zieht!
Von rechts betrachtet sieht das Ganze so aus (fertiger Rock):

Wie ihr seht läuft die Seitennaht an der Stelle weiter, an die sie gehört: auf der Seitennaht des Oberstoffs, bzw. auf der Mitte des RVs.

This was… Berlin (2014)

Mittwoch, 30. Juli 2014

Schon länger stand der Plan fest, zu Lauras Geburtstag ein verlängertes Blind Booking-Wochenende zu machen. Unser Zufallsziel war Berlin – was sich zuerst uncooler anhört als Barcelona oder Budapest, aber dann war ich doch sehr begeistert. Immerhin ist die Hauptstadt auch bekannt für ihre Flohmärkte und Second Hand-Shops.

Da sowohl ich als auch Laura bereits schon mit der Schule in Berlin waren und damals die typischen Sehenswürdigkeiten abgeklappert hatten mussten wir uns darum keine Gedanken mehr machen. Dieses Wochenende stand ganz unter dem Thema Schnäppchen-Shoppen.

Übernachtet haben wir im Happy Bed Hostel am Halleschen Tor, sehr empfehlenswert, da das Hostel ein super Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Bus- und Bahnhaltestellen sind schnell zu Fuß zu erreichen und wenn man ein paar Häuserblöcke weiter läuft ist man auch schon in einer netten Straße mit Bars und Cafés.

Vom Flughafen sind wir am Freitag direkt zum Türkischen Markt am Maybachufer gefahren und haben uns mit Antipasti und Simit fürs Abendessen eingedeckt. Obwohl ich den Markt super fand war ich auch gleichzeitig enttäuscht, da ich schon so viele Blogger von den Stoffen schwärmen gelesen habe, mich aber rein gar nichts angesprochen hat. Da war einfach nichts für meinen Geschmack dabei.
Mir hat es auch sehr gefallen, in den Second Hand-Shops zu stöbern, aber ich bin nur auf den Flohmärkten fündig geworden. Hat mir ein Kleidungsstück gefallen war es zumeist aus Polyester – geht für mich gar nicht. Der Fluch der Vintage-Kleidung.


Garage Vintage in der Ahornstraße

Flohmarkt am Mauerpark – wo warst du mein ganzes Leben?

Dafür, dass ich das erste Mal in so einem großen Hostelzimmer mit Fremden war, war ich wirklich positiv überrascht. Die Leuten waren so rücksichtsvoll! Mit dem australischen Studenten haben wir uns gleich angefreundet und den Samstagabend zusammen verbracht. Erst waren wir im Viertel unterwegs, wo wir ihm den interessanten alten Friedhof gezeigt haben, dann waren wir bis frühmorgens auf der Dachterrasse. Wer hätte gedacht, dass wir nach Berlin fliegen müssten, um endlich mal Konversationen auf englisch halten zu können?



Ich bin der totale Frühaufsteher, was mir in Ho(s)telzimmern immer etwas unangenehm ist, da ich niemanden aufwecken möchte, aber stundenlang liegenbleiben auch nicht meins ist. Sonntags bin ich also wieder zeitig aufgestanden und hab die noch angenehm temperierte Luft draußen genossen, war auf der Dachterrasse und habe gelesen, dann meinen Koffer aus dem Zimmer geholt und ihn geschickt gepackt – the efficient German, manchmal werden Stereotype eben doch bestätigt, wie wir drei zusammen festgestellt haben, dann einen Spaziergang durch Kreuzberg gemacht, schließlich Laura den Wecker auf neun Uhr gestellt und eine Bäckerei gesucht, die ganze Zeit grinsend, weil ich es liebe, vor allen anderen auf zu sein, keine überfüllten Straßen zu sehen und schon richtig produktiv zu sein, während meine “roomies” noch gepennt haben.
Nach dem Auschecken sind wir zum Hauptbahnhof gefahren, um unsere Koffer einzuschließen, und waren dann noch etwas in Berlin unterwegs, bis die Hitze uns ausgeknockt hat.






Am schönsten fand ich die Hackesche Höfe und den Hinterhof des Haus Schwarzenberg. So inspirierend! Ich hätte wahrscheinlich eine Stunde nur die Wände studieren können, die lauter kleiner Details gesteckt haben. Wir sind ganz zufällig auf diese Hinterhöfe gestoßen, weil Google Earth uns in ein falsches Viertel gelockt hat. Zum Glück!

Abends ging es dann zurück nach Stuttgart, mit der sanftesten Landung, die ich bis jetzt erlebt habe.
Erkenntnisse: die öffentlichen Verkehrsmittel sind so viel pünktlicher, günstiger und besser getaktet als hier, ich habe automatisch versucht meinen schwäbischen Dialekt zu verstecken (der ohnehin nicht sehr ausgeprägt ist), und die Leute waren mit Abstand das absolute Hightlight. …and then I found ten dollars.

(Insider. Sorry.)

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Kategorie: umme Welt
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Show-and-Tellerrock, Teil II: Bundvorbereitung, Nahtreißverschluss und Nahttasche

Montag, 28. Juli 2014

In diesem Teil werde ich zeigen, wie ich den Bund zum Annähen (das aber erst später kommt) vorbereitet habe, meine Art mit Nahtreißverschlüssen umzugehen und wie ich Nahttaschen einnähe.

Zuerst mal kurz zum Schnitt für die Nahttasche: wenn ihr schon einen aus einem anderen Schnitt habt, könnt ihr natürlich den nehmen. Ich habe mir irgendwann mal einen selbst gezeichnet, auf den ich immer zurück komme. Die Form sollte etwa so aussehen:


Der dunkelgrüne Umriss zeigt eine Nahttasche, wie ich sie z.B. in Kleider einnähe, die keine Taillennaht haben. Ist eine Taillennaht bzw. Querteilungsnah vorhanden, schneide ich die Nahttasche mit dem hellgrünen Zusatz zu. Ich kann dann die obere Kante der Nahttasche in der Teilungsnaht mitnähen und erhalte somit mehr Stabilität, da der Zug der (gefüllten) Nahttasche nicht mehr nur auf den zwei Punkten liegt, an denen sie sonst angenäht wäre.
Wichtig finde ich persönlich auch, dass der Taschenbeutel schön tief ist. Klar, übertreiben braucht man es hier auch nicht, aber bedenkt, dass je flacher der Beutel ist, desto eher werden Sachen aus der Tasche rausfallen.
Für den Eingriff nehme ich meistens um die 15cm. Um eure gewünschte Größe zu ermitteln könnt ihr eure Hand auf den Schnitt legen, so wie ihr in die Tasche greifen würdet, und markieren, wie groß der Eingriff sein sollte, damit ihr bequem rein greifen könnt.

Überlegt euch auch, welchen Abstand der Anfang der Tasche zum Bund haben soll, dementsprechend müsst ihr den Einsatzpunkt (der graue Querstrich) nach unten verschieben und gegebenenfalls die Tasche nach unten länger zeichnen. Die Tasche der Zeichnung hätte einen Abstand von einem Zentimeter zum Bund. Ich nehme meistens etwas mehr, so um die drei Zentimeter.
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