Nix für Lemminge #4 {Märchen} Entwürfe

Samstag, 23. August 2014

In meinem ersten NFL4-Post habe ich schon über meinen Gedankengang berichtet, der Rotkäppchen (nur der Farbe wegen) -> böse Königin/Stiefmutter -> Mythologie -> Hades & Persephone war. Diese Überlegungen fanden in weniger als einer halben Stunde statt und ich hatte auch sehr schnell konkrete Entwürfe im Kopf.
Bevor ich diese vorstelle, hole ich aber nochmal aus, denn meine Persephone hat auf den ersten Blick wenig mit Frühling und Blumenwiesen zu tun, was vielleicht die erste Assoziation wäre.

Ich bin seit einiger Zeit regelrecht besessen von dem Gedicht A Silver Splendour, A Flame, das ich auch bei meinem Inspirationspost verlinkt habe. In dem Gedicht geht es um – richtig – Persephone und ihre Mutter, Persephone und Hades, Persephone und ihre Zeit in der Unterwelt. Beim Lesen überkommt mich wieder die Lust, eine Gedichtsinterpretation zu schreiben, das war schon immer das, was ich am liebsten und am besten im Deutschunterricht gemacht habe.
Mir gefällt besonders, dass das Gedicht keine großartige Romanze ist und Persephone nicht als Blumenkranz tragendes Sonnenkind dargestellt wird. Meine liebste Stelle des Gedichtes ist wohl diese, wobei es mir schwer fällt, mich zu entscheiden:

Truth is:
I was always that kind of girl.
Truth is:
they don’t make dresses any whiter than
mine.

Truth is:

I am not Demeter’s daughter.
I am Heisenberg’s ripe tomato
I am Niels Bohr’s piece on the side.

In the winter I am a particle.
In the summer I am a wave.
And I didn’t get to be queen of hell
by letting folks off easy.

I didn’t get to be queen of hell by letting folks off easy. Das ist es, was ich darstellen will. Persephone steht zwar auch für den Frühling, sie ist aber auch Königin der Unterwelt, ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte. Meine Persephone wird keine sommerlichen Blumenprints tragen, auch wenn das natürlich auch eine Interpretation sein kann.
Auf Pinterest habe ich das Zitat gefunden: Fashion is the armour to survive the reality of everyday life. Meine Persephone ist durch ihre Entführung und Heirat mit Hades gezwungen, das halbe Jahr in der Unterwelt zu verbringen, und auch, wenn sie in der anderen Hälfte bei ihrer Mutter Demeter an der Erdoberfläche womöglich sommerliche Blumenprints trägt, so zieht sie sich als Queen of Hell auch angemessen an. Im Sinne von Kleidung als Schutzschild, Kleidung, um das Selbstbewusstsein zu stärken. Ich habe da aber nicht an pompöse Roben oder schwarze Grufti-Kleider gedacht (auch wenn das sehr cool gewesen wäre), denn das Outfit soll ja alltagstauglich sein. Meine erste Idee war tatsächlich sofort: power dressing.
Ich stehe total auf Klamotten, die an die Herrenmode angelehnt sind, ich liebe Westen im Herrenstil, mag Taschenuhren und Fliegen, Budapester und Herrenhutformen. Darum entwickelte sich aus power dressing die Idee eines burschikosen Outfits. Vielleicht lag es auch daran, dass ich für meine Idealbesetzung von Hades und Persephone zwei Frauen ausgewählt habe und damit im Hinterkopf eher butch als femme erscheinen wollte.
Außerdem dachte ich mir: diese Challenge ist nicht für andere, sondern für mich. Was brauche ich noch? Was ziehe ich gerne an? Was wollte ich schon länger im Kleiderschrank haben? Was gibt mein Stofffundus her? Diese zusätzlichen Anforderungen waren meine persönliche Herausforderung.

Nach dieser Ausführung meines Entwurfprozesses gibt es nun endlich Bildmaterial:


Das Gesamtoutfit wird aus Hose, Weste und Hemdbluse bestehen.
Die Hemdbluse: Ich trage sehr wenig Blusen und wenn dann eher Jeansblusen. Hauptgrund ist dass ich gerne aufs Bügeln verzichten würde. Dennoch: schon lange habe ich mich geärgert, dass ich keine weiße Bluse besitze, denn die passt einfach zu allem. So dringend war mein Bedürfnis danach bisher wohl doch nicht, denn ich habe mir weder eine gekauft noch genäht. Das ändert sich jetzt! Das ist DIE Gelegenheit. Allein das ist schon ein Erfolgserlebnis für mich.
Für die Bluse werde ich meinen Grundschnitt benutzen.
Die Weste: Westen gehen für mich immer. Ich liebe Westen. Ich habe schon seit Jahren ein Schnittmuster für eine Weste hier rumliegen, das ich aber nie benutzt habe. Ebenfalls Erfolgserlebnis: nie benutztes Schnittmuster kommt zum Einsatz.
Die Hose: Ich habe mir vorgenommen, mehr Hosen zu nähen. Heißt nicht, dass ich alle meine Hosen selbst nähen möchte (Himmel bewahre), sondern einfach ab und zu auch mal eine Hose zu nähen, da gibt es ganz andere Dinge, auf die man achten muss, finde ich, und ich möchte mich ja auch nähtechnisch weiterentwickeln und mit meinen Herausforderungen wachsen. Also: Hose it is. Die Hose wird asymmetrisch sein und keinen Reißverschluss haben, sondern so übereinander gefaltet und mit Bundhaken fixiert werden. Irgendwann dieses Jahr habe ich ein Faible für ausgefallene Hosen entwickelt. (Natürlich schätze ich meine Lieblingshosenform – hauptsache schön karottig und mit nicht zu tiefem Bund – dennoch über alles.)



Auf meinem Moodboard sind auch einige Pins zu Smoking oder geometrischen Details zu finden. Sowas wollte ich auch unterbringen. Besonders cool fand ich dieses Shadowfolds-Muster, das Spitze und Geradlinige ist genau das Gegenteil zu den sommerlichen Blumenprints, die ich ja eben nicht möchte. Dieses Muster sagt: ich habe auch Stacheln, die ich ausfahren kann. Ich bin nicht dein durchschnittliches Blumenmädchen.
Dieses Muster werde ich in einen separaten Stoff arbeiten, mit dem dann das Rückteil der Weste teils überzogen wird.
(Wem Shadowfolds nichts sagt: hier werden wie beim Smoken bestimmte Punkte miteinander verbunden, dadurch entstehen die abgefahrensten Muster. Grundidee ist, einen halbdurchsichtigen Stoff zu verwenden, denn gegens Licht gehalten entfalten die Muster erst ihre richtige Wirkung.)

Die Stoffe, die ich verwenden werde, sind farblich dunkel und gedeckt gehalten, mit Ausnahme der weißen Bluse natürlich (they don’t make dresses any whiter than mine.). Auch wenn mein Outfit als Skizze für die/den ein oder andere_n vielleicht weit hergeholt aussehen möchte, glaubt mir, zusammen mit dem Schmuck wird das der Knaller.
Achja, der Schmuck. Viele haben kommentiert, dass das nach Steampunk aussieht. Stimmt, aber mein Outfit hat nichts mit Steampunk zu tun. Und wenn, dann total unbeabsichtigt. Jetzt wo ich drüber nachdenke hat es tatsächlich etwas Steampunkiges, vor allem in den Farben, die ich ausgesucht habe.
Meinen Schmuck habe ich bereits fertig, das wird opulent, sage ich euch. Aber keine Angst. Es ist nichts, was ich nicht auch so im Alltag tragen würde. (Ob das ein guter Idikator für Opulenz ist? Ich trage immerhin eine Zirkusdirektorinnenjacke…)

Wie ihr auf den Bilder erahnen könnt habe ich meine Wahl bezüglich Stoffen und Schnitten schon getroffen. Die verrate ich dann das nächste Mal.

Wiederholungstat: Das Business-Sommerkleid

Mittwoch, 06. August 2014

Bisher hatte ich noch keine Schnittmuster, die ich unbedingt zwei- oder dreimal nähen wollte. Vielleicht lag es daran, dass ich fast ausschließlich Burda Style-Schnittmuster benutzt habe, die sind einfach nicht für meine Maße gemacht und der Nähprozess war meist sehr langwierig und anstrengend und mit sehr viel Auftrennarbeit verbunden. Selbst wenn das Kleidungsstück dann nach einigen Anproben endlich gut saß hatte ich mit den schlechten Erfahrungen im Hinterkopf meistens keine Lust, es nochmal zu nähen, selbst wenn es mir gefallen hat.

Mit Simplicity 1652 war das ganz anders – ich habe ja schon meine erste Variante, das English Roses- a.k.a. Oma-Gedächtnis-Kleid sofort ins Herz geschlossen, das Nähen ging ohne Probleme voran, nur eine klitzekleine Anpassung musste ich vornehmen. Ich mag die Silhouette, das Nähen geht super flott, der Schnitt kann ausgefallen (wie bei meiner ersten Interpretation) als auch schlicht sein.

Für den Sommer wollte ich noch ein Kleid, das etwas Businessschick hat (wer hat noch das Problem von seriös auftreten wollen vs. absolute Hitzeunverträglichkeit?). Bei stoffe.de gab es im Sale einen sommerlichen Schurwoll-Leinen-Stoff mit Hahnentrittmuster. Nicht das, was ich sonst auswählen würde (Pflegeleichtigkeit steht bei mir ganz vorne), aber wenn schon Business, dann darf ich zur Abwechslung auch mal in die Vollen greifen und für dieses spezielle Kleid finde ich den Stoff absolut passend.
Auf den ersten Blick erscheint das Muster schwarzweiß, was dem Kleid einen grauen Gesamteindruck gibt, aber wenn man genau hinguckt, ist das schwarz marineblau.

Simplicity 1652 is my new go-to dress pattern since the first time I used it. It’s so versatile, quick to sew and I didn’t have to make big alterations.
I felt I needed a dress for summer with a business vibe. I can’t handle the heat but still want to look legitimate sometimes.
I found a wool linen blend puppytooth fabric on sale and even tough it’s not what I would usually go for, I thought it would be great for the dress I had in mind.

Es folgen Bilder vom unangenehmsten Fotoshooting das ich bisher hatte.

Kaum war ich an meiner üblichen Location angekommen, fing es an zu regnen. Soweit kein Problem – das Blätterdach hat ganz guten Schutz geboten. Zuerst habe ich ein Outfit für die liebe Ani abgelichtet – das Ergebnis wird im Herbst auf ihrem Blog zu sehen sein.
Der Regen wurde stärker und ich hatte mittlerweile etwas Sorge um meine Kamera. Aber das Allerschlimmste waren die Stechmücken, die auf einmal in Schwärmen auftauchten. Blitzschnell Accessoires getauscht, kurz fünf Bilder gemacht und geflüchtet. Keine Zeit, nochmal schnell das Kleid zurecht zu zupfen oder den Fokus zu kontrollieren. Hauptsache weg! Mein Unbehagen sieht man mir auch leicht an und anhand meiner Tasche könnt ihr auch sehen, dass die Blätter mittlerweile nicht mehr wirklich den Regen abgehalten haben.

What follows are photos from the most uncomfortable and awkward shooting I’ve had until now. It started to rain heavily and after a while I was attacked by a swarm of gnats. I just took like five pictures without checking my dress or the camera focus, then hurriedly packed up and legged it.
The dress actually fits me well, even if it doesn’t seem that way in the pictures. I was just too busy batting away gnats to look presentable.




Jap.
Auch wenn es so aussieht, das Kleid sitzt nicht schlecht, ich habe nur vor lauter um mich schlagen keine Zeit gehabt, mich zu ordnen.
Das ist die Variante ohne Rückenausschnitt, die ich auch sehr schön finde. Diesmal habe ich die Nahttaschen in die Seitennaht eingenäht statt, wie im Original, in die Teilungsnähte. Trägt viel weniger auf. Die Ärmelausschnitte habe ich mit dem Oberstoff schmal eingefasst.
Die Details habe ich dann später zu Hause fotografiert:




Den Saum habe ich mit einem Stück Spitze falsch besetzt, da er mir sonst an diesem Modell zu kurz vorgekommen wäre. War mir an diesem Modell fast schon wieder zu verspielt, auch wenn von außen nicht sichtbar, aber etwas Anderes hatte ich auf die Schnelle nicht zur Hand.

Und was ich total an dem Kleid liebe: es lässt sich mit opulenten Oma-Broschen so schnell aufpeppen! Da es so schön schlicht ist, dürfen die Broschen umso mehr Bling besitzen.
Diese Brosche ist Teil meiner Mauerpark-Flohmarkt-Ausbeute vom Berlin-Wochenende. Fast das einzige, das ich gekauft habe, nachdem der Türkenmarkt am Maybachufer sich als absoluter Reinfall für mich und meinen Geschmack erwiesen hat (stofftechnisch gesprochen, das Essen war vor-züg-lich!).

I really love how you can dress this garment up – perfect use for my vintage and second hand grandma brooches. The dress is kind of plain and simple itself, so the more bling I can add, the better. I’m not one for understatements.

tl;dr (too long, didn’t read)
Schnitt: Simplicity 1652
Stoff: Schurwolle-Leinen-Gemisch mit Hahnentrittmuster von stoffe.de
Änderungen: Die Anpassungen der ersten Version habe ich im Schnitt geändert. Hier habe ich die Nahttaschen in die Seitennaht genäht statt in die Teilungsnähte. Am Rückenteil musste ich nur am Nacken ein bisschen was wegnehmen, was bei mir eine Standard-Änderung ist.
Nachnähfaktor? Oh ja, dieses Schnittmuster ist einfach so schön wandelbar. Als nächstes vielleicht eine Version mit Ärmeln?

Oh, and can I just say Sherlock hair?

Show-and-Tellerrock, Teil IV: Bundverarbeitung

Sonntag, 03. August 2014

Der Saum ist verstürzt, die Nahttasche ist eingenäht, der Reißverschluss ist eingefüttert – Zeit, sich dem Bund zu widmen! Geht nochmal auf Nummer sicher, dass ihr “innen” alles fertig habt und alles auch von außen so aussieht, dass ihr zufrieden seid, denn wenn ihr den Bund aufsetzt, ist es umständlich, nochmal innen etwas zu korrigieren.



Steckt das Futter und den Oberstoff an der Bundansatznaht links auf links mit Quernadeln aufeinander. Eure Zwicke helfen euch als Orientierung. Ich achte auch immer darauf, dass das Futter am Reißverschluss schön glatt liegt und nicht Richtung Schlitz geschoben wird, denn sonst würde dort ein Fältchen entstehen.
Im Zuge dessen könnt ihr auch gleich eure Aufhänger feststecken und gegebenenfalls festheften. Ich verwende vier Aufhänger: je einen ca. 3cm links und rechts von der Seitennaht bzw. dem Reißverschluss entfernt. Wie bereits erwähnt verwende ich sehr gerne Satinband dafür: ich schneide ca. 10cm lange Stücke, die ich dann auf die Hälfte lege. (Meine Kleiderbügel haben unten Haken zum Einhängen von Aufhängern – es gibt aber auch Bügel, die eine Kerbe an der “Schulter” zum Einhängen haben. In dem Fall sollte der Aufhänger meiner Erfahrung nach länger sein.)

Nun könnt ihr euren Bund feststecken. Wenn ihr meinen Tipp befolgt und an der Innenseite des Bundes die Einlage schmalkantig festgesteppt habt, vergewissert euch, dass diese Seite auch nach innen, also zum Körper, liegt.
Am Reißverschluss lasse ich den Bund einige Zentimeter überstehen und schneide ihn dann erst nach dem Verstürtzen von Ober- und Untertritt ab. Beim Stecken liegen die Bundansatzkante und die untere Bundkante bündig, ich stecke die Nadeln in meinem Bügelbruch, der bei der Bundvorbereitung entstanden ist. Wichtig ist, dass der Rock an der Bundansatzkante nicht ausgezogen wird!
Wenn ihr fertig seid mit Stecken könnt ihr den Bund vom einen Ende des RVs zum anderen annähen.

Als nächstes werden Ober- und Untertritt verstürtzt. Bei Damen liegt der Übertritt traditionell immer rechts über links, also muss der Bund am Vorderteil des Rockes länger sein. (Zum Nachvollziehen der Rechts-über-links-Regel fahren ich immer mit meiner rechten Hand nach links meinen Körper entlang.)
Der Untertritt wird so verstürtzt, dass die fertige Bundkante bündig mit dem Reißverschluss ist. Ich klappe den Bund an der oberen Bundkante um, sodass Innen- und Außenseite rechts auf rechts liegen, und ziehe mir eine Hilfslinie die orthogonal zur oberen Kante verläuft und sozusagen die Verlängerung des Reißverschlussschlitzes ist. Auf dieser Linie nähe ich bis zur Verriegelung der Bundansatznaht runter, ohne die Nahtzugaben mit zu nehmen, ich nähe sozusagen punktgenau auf die Verriegelung und nicht darüber hinaus. So ist es später einfacher, raus zu schneiden, damit die Ecken schön und nicht so bollig werden.


Am Übertritt ziehe ich mir ebenfalls so eine Hilfslinie, die aber ein paar Zentimeter Abstand zum RV-Schlitz hat. Überlegt euch, wie lang euer Übertritt sein soll, ich nehme bei Röcken in der Regel zwischen zwei und drei Zentimeter.
Der Übertritt wird nun so verstürtzt, wie auf dem Bild eingezeichnet: von der oberen Bruchkante des Bundes orthogonal bis zu dem Nahtzugaben-Bügelbruch, dann im Bruch entlang bis zum Reißverschluss. Ich empfehle, diese Nähte nochmal nach zu nähen, das gibt dann etwas Stabilität, nachdem die Nahtzugaben rausgeschnitten wurden.

Ich schneide auf jeden Fall immer an den Ecken in einem flachen Winkel die NZG ab. An der vertikalen Verstürtznaht könnt ihr jetzt die Nahtzugaben auf einen Dreiviertelzentimeter abschneiden. Außerdem würde ich diese Nahtzugaben stufig rausschneiden. Hierbei wird die Nahtzugabe, die später nicht zur rechten Seite liegt, noch ein wenig kürzer geschnitten.
Am Untertritt würde ich nur an der oberen Ecke und der vertikalen Naht rausschneiden, nicht aber an der unteren Ecke.
Hier gilt natürlich Vorsicht und eine spitze, scharfe Schere ist das A und O. Nicht übertreiben beim Rausschneiden!

Ich habe erzählt bekommen, dass traditionell im Maßschneiderhandwerk bei Röcken innen die vordere Mitte markiert wird/wurde, damit die Trägerin weiß, wo vorne und hinten ist und den Rock bei Gelegenheit nochmal zurecht rücken kann. Ich habe bei Lauras Rock an der vorderen Mitte in “MÄH” eingestickt, das fand ich süß zu dem Schäfchenstoff. Orientiert habe ich mich an dem Zwick, den ich an der Bundansatznaht in der VM gemacht habe.


Ich mag es am liebsten, den Bund im Nahtschatten durch zu steppen. Natürlich kann er auch abgesteppt und dadurch fixiert werden, das kommt ganz auf den Geschmack und Stil an.
Zuerst schlage ich die Nahtzugaben des Innenbundes ein. Da wir diesen schon bei der Bundvorbereitung so umgebügelt haben, dass er auf jeden Fall eine Winzigkeit länger ist als der Außenbund, reicht er auch auf jeden Fall über die Bundansatzlinie. Habt ihr einen Bund, der nicht vorgebügelt ist (was in der Regel ja der Fall ist – ich bügle nur vor, wenn ich mit der fertig gestanzten Bundeinlage arbeite), schlagt die Nahtzugabe so viel ein, dass sie etwas über die Bundansatznaht ragt.
Ich bevorzuge es, die Nahtzugaben mit Quernadeln auf der Seite des Innenbundes zu stecken; dabei versuche ich, immer nur die Nahtzugaben fest zu stecken, sodass die Nadeln auf der rechten Seite nicht sichtbar sind.
Beim Feststecken ist es auch wichtig – besonders, wenn ihr einen Formbund o.ä. habt – dass ihr beim Stecken euer Teil in die Form legt und nicht versucht, es zum Stecken gerade zu ziehen, auch wenn das bequemer wäre. Dabei entsteht schnell ein Schrägzug.
Dann dreht ihr den Rock auf rechts und steppt den Bund, wenn alles gut aussieht und ihr keinen Schrägzug feststellen könnt, im Nahtschatten durch; das heißt direkt in der “Vertiefung” der Bundansatznaht.
Auf dem Innenbund ist die Naht sichtbar (es kann sein, dass diese leicht unregelmäßig ist, was aber nicht schlimm ist, solange alle Nahtzugaben durchgehend gut fixiert sind), rechts ist diese Naht so gut wie unsichtbar.

Ihr seid so gut wie fertig! Jetzt fehlen nur noch Haken und Öse – Haken am Über-, Öse am Untertritt.
Zum Schluss empfehle ich, von rechts schön auf den Bund zu bügeln, den Einsatz der Nahttasche von außen nochmal glatt zu bügeln, eventuell gaaaanz leicht den Reißverschluss zu bügeln. Wer den Saum noch nicht um die Crinoline gebügelt hat, kann das jetzt tun.

Das war’s!



Ich hoffe, die Anleitungen waren verständlich und dass auch diejenigen, die keinen Tellerrock nähen, etwas mitnehmen konnten, denn die Anleitungen für Nahtreißverschluss, -tasche etc. stehen natürlich auch für sich alleine. Die meisten Verarbeitungsweisen benutze ich bei allen Kleidungsstücken, die ich mache, nicht nur bei (Teller-)Röcken.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich einige Ergebnisse zu sehen bekommen würde, wenn euch meine Anleitungen in irgendeiner Weise weitergeholfen haben. Ihr könnt euch sehr gerne unten im Linktool eintragen! Es ist einen Monat offen, darüber hinaus wäre es natürlich toll, wenn ihr einen Kommentar mit dem Link zu eurer Kreation schreibt, wenn meine Anleitungen euch geholfen haben.

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