Montag
19. Juli
2010

Generation Pragmatisch

Die zweite Aufführung eines Stückes ist meistens nicht so gut wie die Premiere. Das hat verschiedene Gründe, beispielsweise weil man dazu neigt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und der Drive und die Euphorie von der Premieren-, alles-muss-jetzt-gut-laufen-Aufführung abgeklungen ist. Das ist ja aber weder ein Beinbruch noch der Weltuntergang. Ich war schon darauf eingestellt, dass wir die letzte Aufführung nicht überbieten können, hab da aber nicht damit gerechnet, dass sich alle noch mal dermaßen reinhängen, dass ich in der zweiten Hälfte des Stückes wortwörtlich mit offenem Mund dasaß, obwohl ich das Stück schon zigmal gesehen hatte.
Ich meine, den Grund für diesen grandiosen zweiten Durchlauf zu kennen. “Für Max”, hieß es, “strengen wir uns nochmal richtig an”. Und das haben sie getan. Max, der eigentlich eine der Hauptrollen hatte, aber wegen seiner Ausbildung nicht mehr mitspielen konnte, ist aus Mannheim gekommen und saß im Publikum. Viele waren nach der Premiere so begeistert, dass sie auch noch zu der zweiten Aufführung gekommen sind. An beiden Tagen hatten wir also volles Haus, was mich unglaublich gefreut hat, nicht wegen dem Geld – wir haben keinen Eintritt verlangt, aber Spenden waren gerne gesehen – sondern weil die Schauspieler und Marcel, der Regisseur, es einfach verdient haben. Es gibt für einen Schauspieler nichts Schlimmeres als in einem leeren Saal zu spielen.
Ich will gar nicht jede Kleinigkeit aufzählen, ich war so euphorisiert und glücklich, dass ich von Schauspieler zu Schauspieler gelaufen bin und Komplimente über die überzeugende Spielweise ausgeteilt habe. In vielen Punkten fand ich die zweite Aufführung sogar besser als die erste.
Es war ein schöner Abend mit einer tollen Aufführung und einer sehr lustigen Aftershow-Party in einem Restaurant, dessen Küche schon geschlossen hatte.

Sonntag war dann Aufräumen angesagt – wir waren fünf Mädels plus Marcel. Uns hat das Herz geblutet. Wenn ich das nächste Mal die Turnhalle betrete, ist da eine leere Bühne und keine Spur mehr von dem, was wir aufgebaut und geleistet haben. Alle guten Dingen gehen mal zu Ende, und das, was bleibt, ist in den Köpfen der Menschen – die Erinnerungen an das Stück, die Handlung, und vielleicht macht sich ja der ein oder andere Gedanken darüber, wohin unsere Gesellschaft steuert und tut seinen Teil, um das zu ändern oder andere darauf aufmerksam zu machen. Haben wir nicht das selbe getan?
Ich hab viel gelernt in den letzten Monaten. Genieße die Gegenwart, denn später wirst du vor einer leeren Bühne stehen, aber mit Erinnerungen daran, wie geil die Zeit war, und das hilft ungemein. Gib dein Bestes, tu was du liebst, und helfe damit nicht nur dir, sondern auch anderen. Engagement macht sich immer bezahlt – auch wenn andere es vielleicht nicht zu schätzen wissen, du weißt, dass du deine Arbeit ordentlich gemacht hast, mehr gemacht hast, als gefragt war, und dieser Gedanke fühlt sich zehnmal besser an als zu denken, dass man dieses oder jenes eigentlich hätte besser machen können. Und vor allem: Es geht immer besser. Ruhe dich nicht auf Lorbeeren aus, sondern gib alles, und die Leute werden mit offenem Mund dasitzen.
Ich weiß jetzt, wo ich hingehöre.

Samstag
17. Juli
2010

Entutopisiert und ideologisch leer.

“Worum geht es bei euren Stück?”
Auf diese Frage ist mir die Antwort immer recht schwer gefallen. Vordergründig könnte man die Geschichte als Krimi bezeichnen – ein Lehrer, der sich mit der Ideologie und Moral einer Leistungsgesellschaft schwer tut, besucht mit seiner Klasse ein Effizienzseminar in London. Dort kommt es immer wieder zu Streit zwischen zwei Schülern, bis der eine verschwindet und später tot aufgefunden wird.
Aber worum es eigentlich geht ist die Kritik – an der Leistungsgesellschaft, an der Verrohung der Menschen, an das fehlen humanitärer Werte, an das Pushen der Jugend, “am besten durch die Schule, am schnellsten durchs Studium”, wie es im Stück so passend heißt. Während man sie moralisch zu Maschinen erzieht, damit sie im System aufgehen, gibt es andere, die sich dagegen auflehnen, symbolisiert durch die Widerstandsbandenanführerin Eva, die im Untergrund lebt und Banker ausraubt – “die Gesellschaft hat uns ausgespuckt, und jetzt spucken wir zurück.”.
Sätze aus dem Radio wie “Die Elite muss sich durchsetzen”, “der Kampf aller gegen alle hat begonnen” und “Recht ist, was dem eigenen Vorteil frommt” rechtfertigen die egoistischen Handlungen der Schüler, was den Lehrer an den Naturzustand erinnert und ihn verzweifeln lässt. Er muss seinen eigenen Weg finden, mit dem System umzugehen – Assimilation, Rebellion oder Isolation.

Wenn ich unser Stück jetzt über alle Maße lobe tue ich das nicht nur, weil ich es einfach genial finde, von der Thematik, der Kritik (mit der ich sehr übereinstimme), dem Bühnenbild und dem Skript, sondern auch, weil es unglaublich ist, bei so etwas dabei zu sein. Nicht nur zuzugucken, sondern die ganzen Ängste und Erfolgserlebnisse der Schauspieler, Techniker und dem Regisseur zu verfolgen, selbst ein Teil davon zu sein und zu beobachten, wie sein eigenes Zutun den Menschen einfach hilft, wie es ein Teil des Stückes ist ohne das es einfach nicht ginge, genau so wie ohne Bühnenbildner oder Techniker.
Es war verdammt hart. Wenn ihr das nächste Mal im Theater seid, klatscht nicht nur für die Schauspieler, sondern für alle, die daran beteiligt waren. Ich mit meiner Aufgabe als Kostümbildnerin war die letzte Woche jede Probe mindestens eine Stunde vor den Schauspielern da und bin mindestens zwei später gegangen als sie. Bis jedes Stück Klebeband weggeschmissen ist, bis jedes Kostüm wieder auf dem Bügel hängt, bis alles wieder ein- und weggeschlossen ist, bis die Technik stimmt und einprogrammiert ist, bis alle Videos geschnitten und gerendert sind sind eben mindestens zwei Stunden und etliche Nerven und Kraftreserven auf der Strecke geblieben.
Es macht verdammt fertig. Aber es macht auch verdammt glücklich. Es macht glücklich am Laptop zu sitzen und die Videos zu steuern und die Leute auf der Bühne durch einen Schlitz im Vorhang meiner “Medialounge” zu beobachten und zu wissen wie sie sich gefreut haben, als ich ihnen ihre Perücken überreicht habe. Wie die Schauspielerin von Eva gehüpft ist als ich ihren Mantel (selbstgenäht) mitgebracht habe. Wie stolz Harri, der den Lehrer spielt, war, als er mit dem Pullunder durch den Gang stolziert ist.
Und es ist so ein verdammt geiles Gefühl, das Ganze zu sehen, das ganze Stück und zu wissen wie viel Arbeit dahinter gesteckt hat und zu sehen dass es sich verdammt nochmal gelohnt hat, weil die Leute genial gespielt haben, die Technik gestimmt hat, alle Einsätze perfekt waren, und der Applaus scheinbar kein Ende nehmen wollte. Und dann steht man auf der Bühne und grinst und grinst und kann die Leute nicht sehen, nur hören, weil der Spot einem ins Gesicht scheint und man ist viel zu glücklich und kaputt als irgendwas anderes zu denken als dass Leute, die sich nicht anstrengen wollen, es nie so weit bringen werden.

Heute um 19.30 Uhr ist die zweite Aufführung von “Was bleibt”, einer Adaption von Ödön von Horváths “Jugend ohne Gott”, in der Turnhalle des Ferdinand-Porsche-Gymnasiums in Stuttgart-Zuffenhausen.
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Freitag
02. Juli
2010

Liebeslyrik in verschiedenen Epochen

Da “Portfolio Liebeslyrik”, “wie wurde das Thema Liebe in verschiedenen Epochen umgesetzt”, “Coverletter Liebeslyrik” u.ä. mitunter zu den häufigsten Suchbegriffen gehören, die auf meine Seite verweisen, wollte ich den Suchenden etwas unter die Arme greifen.
In der Oberstufe mussten wir in Deutsch ein Portfolio zum Thema Liebeslyrik anfertigen, teils waren wir frei die Aufgaben selbst zu wählen und umzusetzen, teils waren sie vorgegeben. Von meinem fertigen Portfolio, für das ich in allen Bereichen 15 Punkte bekommen haben, habe ich ja bereits hier berichtet. Ich werde keine kompletten Texte daraus veröffentlichen, erstens will ich niemanden dazu verführen, die einfach zu kopieren und zweitens macht eure Arbeit gefälligst selbst. ;)
Ich berufe mich bei den folgenden Erläuterungen auf das Aufgabenblatt und das, was wir im Unterricht gelernt haben, da ich jedoch auch nicht alles hundertprozentig wissen kann ist alles ohne Gewähr – da ich jedoch gut bewertet wurde, kann es nicht komplett falsch sein. weiterlesen »

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