Mein persönliches Krisengebiet.
Hallo, Blogwelt, ich weiß, es ist eine Weile her. Ich habe das Gefühl, wir haben momentan eine kleine Krise.
Wochenlang liegt dieser Artikel schon halbfertig in meinem WordPress-Adminpanel, ich habe geschrieben, war frustriert, gelangweilt, habe mit mir gehadert.
Klar gibt es die ein oder andere Geschichte meinerseits von Batmancomics, Pubbesuchen und Motorradführerscheinen, aber ehrlich gesagt – wen interessiert das? Gibt es im Internet nicht schon genug Banalitäten? Die Menschen, die ich an meinem Leben teilhaben lassen möchte, erfahren diese Dinge, sind im besten Fall selbst dabei, und die breite Masse des Internets muss es von mir aus gar nicht wissen. Das hat nichts mit Geheimniskrämerei oder paranoidem Schutz meiner Privatsphäre zu tun. Ich denke einfach, dass man nicht jeden Scheiß der Öffentlichkeit preisgeben muss. Mich persönlich reizt das Ausbreiten meines eher ereignislosen Lebens vor Fremden nicht mehr.
Das heißt nicht, dass ich es komplett unterlassen werde, Persönliches zu berichten, ich will nur unterscheiden zwischen erwähnenswerten Dingen und solchen, die mich selbst beim Schreiben langweilen. Unser Theaterstück damals, das finde ich zum Beispiel erwähnenswert. Dass ich mir letzte Woche am Bahnhof Zuffenhausen ein Zweizonenticket gekauft habe nicht.
Ich bin es leid, Füllereinträge zu schreiben, die sich mit einem Satz zusammenfassen lassen, mir einen abzuwürgen, um mit so vielen Worten so wenig auszudrücken. Mittlerweile ist es mir einfach wichtiger, etwas auszusagen als gehaltlose Einträge ins Internet zu stellen; die finde ich gefühlt auf jedem zweiten Blog.
Vielleicht lässt das vermuten, dass ich nicht gerne Persönliches und Alltägliches lese. Das stimmt nicht.
Ich bin nur verdammt gelangweilt von Texten ohne Inhalt, Präsentieren von Geschenken von Firmen a.k.a. Werbung und meiner Meinung nach lieblosen Einträgen: Bild, eine Zeile Text. Friss oder stirb.
Mich interessiert nicht, was die Menschen kaufen und konsumieren, was sie anhatten und wie sie geschminkt sind, sondern was sie bewegt, für was sie kämpfen würden, auch wenn ich bei vielen leider den Eindruck habe, dass diese Dinge für sie ein und dasselbe sind.
Von mir aus kann sich jeder so viele Lippenstifte und Cardigans kaufen wie er möchte, nur gibt es doch noch ein Leben jenseits der H&M-Filiale, oder? Ich möchte ja gar nicht, dass sich jeder Blog mit hochpolitischen Themen befasst, aber man kann sich doch auch mit alltäglichen Dingen differenziert auseinandersetzen – es gibt noch andere Probleme als absplitternder Nagellack, schlecht beleuchtete Umkleidekabinen und anstrengende Mittagsschule. Gerade zu Modethemen gibt es so viel mehr zu sagen als dass man das gute Stück bei Zara für zwei neunundneunzig gekauft hat.
Und auch wenn Bilder manchmal sicher mehr sagen als Worte, so groß ist für mein Empfinden der ästhetische Wert bei vielen bildlastigen Blogs nicht, dass ich deswegen wiederkommen würde.
Ich möchte niemandem sein Hobby oder seine Art zu bloggen schlecht reden. Natürlich gibt es Menschen, die das anders sehen als ich, und das ist auch gut so. Nur habe ich persönlich gemerkt, dass ich, wenn ich einen Blog besuche, auch etwas lesen möchte, das aus mehr als oberflächlichen Aussagen besteht. Alles andere lese ich mittlerweile nur noch halbherzig durch, überfliege es, was mir für den Autoren zwar leid tut, wenn er sich Mühe gegeben hat und die Person an sich sicher auch nett und sympathisch ist, aber mir sind andere Dinge wichtiger geworden, Dinge, die wirklich von gesellschaftlichem Belang sind. Probleme, die jeden etwas angehen, die alltäglich sind, so alltäglich, dass viele Menschen sie gar nicht mehr wahrnehmen. Und es macht mir wirklich Spaß, mich damit zu beschäftigen, sensibler zu werden für gesellschaftliche Problemzonen und darüber zu sprechen. Anderen macht es Spaß, ihr Outfit zu zeigen oder über ihren Schulalltag zu schreiben. Diversität ist toll – aber es kann nicht schaden, über den eigenen Tellerrand hinaus zu gucken.
Und nach einer Weile tut einem der Hals auch nicht mehr weh und man genießt die Aussicht.
Mhhh..also klingt, als wärs du von den allgemeinen Blogs gelangweilt, weil sich die Themen quasi wiederholen. Was ganz normal ist eigentlich, denn wer macht sich schon pausenlos Gedanken über sensible Themen, wo er jeden Tag über ein anderes Problem bloggen kann. Naja und die meisten sind eben nicht zufrieden, wenn sie zwar einen Blog haben, aber nur alle 2 Wochen mal was tippen, weil man alle 2 Wochen mal seine Gedanken zusammengefasst hat. Eigentlich hast du so in der Welt der privaten Blogs nicht großartig was zu suchen, weil meistens wechseln sich die Themen ja ab. Einmal schreibt man, was man sich gekauft hat. Dann wieder über die nächste Party. Und dann schreibt man mal wieder, über Dinge, die einen berühren. Ich persönlich mag eine solche Mischung. Und ich habe schon viele Blogabos gekündigt, weil sie zu Fashionblogs mutierten, auch wenn mir das für die Leser leidtat, weil wie du schon sagtest, das meistens ja dennoch sehr nette Menschen sind. Zumindest oberflächlich, im Netz weiß man ja nie^^
Jedenfalls über seine Gedanken zu schreiben ist ja nicht immer ganz einfach und wenn man einen aktuellen Blog haben möchte, tippt man eben mal einen etwas banaleren Eintrag, bis man mal wieder Zeit und Geist für einen sensibleren hat. Wenn du nur noch solche lesen möchtest, musst du eben hoffen, dass zwischendurch mal einer zwischen den Banalitäten durchrutscht. Denn für die meisten ist das Bloggen ja nur ein Hobby nebenbei, sodass oft nur wenig Zeit in einen solchen Eintrag investiert wird, wenn überhaupt. Also entweder du musst dich tatsächlich aus der Blogwelt verabschieden, wenn dir diese Einträge auf die Nerven gehen, oder wartest eben auf diese Einträge, denn kaum ein Blog wird nur aus solchen Themen bestehen.
@Celina:
Hm, das kann man schon so sehen, aber mir geht es um die Tiefe der Einträge, wenn so vielleicht besser rüber kommt, was ich meine. Einkäufe, Wochenendberichte, das sind zwar verschiedene Themen, aber wie ich geschrieben habe: es fehlt mir oft einfach die Reflexion. Die Kritik.
Das Meiste, was ich auf hm nennen wir es lieber “persönlichen” Blogs lese, ist für mich Banalität, wie du es ja selbst genannt hast, und da kann ich meine Zeit besser nutzen.
Irrtum! medienelite ist zum Beispiel z.Z. einer meiner liebsten Blogs.
Nachtrag:
Die Rede ist gar nicht von “pausenlos”. Ich denke auch nicht jede Sekunde oder Minute und bestimmt auch nicht jede Stunde daran, arme Seelen aus der Unterdrückung zu befreien. Aber es gibt einfach Probleme in der heutigen Gesellschaft, zum Beispiel Rassismus, Diskriminierung Homosexueller, etc., denen man sich stellen sollte und beitragen kann, diese zu bekämpfen.
Das ist für mein Teil der Lebenseinstellung geworden – was nicht heißt, dass sich jeder einem “good cause” verschreiben muss, nur weil ich gelangweilt bin von vielen persönlichen Blogs – und ich stehe da nicht allein da. Wenn man sucht findet man genug Leute, die auch Blogs führen.
Ich glaube ich habe nirgends geschrieben, dass ich nichts über die gleichen Probleme/Themen lesen möchte. Sagen wir jemand führt ein Blog über seine alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus, wie er diesem begegnet, seine Gedanken dazu, was er dagegen unternimmt – da ist das Thema ja auch Rassismus, nur unter anderen Aspekten betrachtet.
Hört sich vielleicht mitläuferisch an, aber ich bin voll deiner Meinung. So wie ich es verstanden habe, findest du banale persönliche Erfahrungen langweilig und willst deshalb über nicht-banale persönliche Erfahrungen lesen. So wie Diskriminierung usw. Man kann auch interessant über seinen Alltag schreiben, über die Schule wo Lehrer Schüler mobben un umgekehrt usw. Mir kann ehrlich gesagt keiner erzählen, dass es in seiner unmittelbaren Umgebung keine Probleme gibt. Es gibt immer Dinge, über die man den Kopf schüttelt und nichts sagt, weil “das halt so ist”. Das typische Phänomen “Wegschauen”.
Wie bei mir gestern die Kinder im Bus, die erfahren haben, dass man für einen Gegen-Stuttgart-21-Aufkleber im Rathaus 20 Cent bekommt und jetzt überlegen, wo sie möglichst viele Aufkleber herbekommen, um Geld zu verdienen. Im Kapitalismus aufgewachsene Kinder, von der Politik schamlos ausgenutzt.
@Lura: Genau richtig verstanden! Aber wir haben ja auch letzte Woche in der Bahn drüber geredet
Ich finde “nicht-banale” persönliche Blogs/Berichte ja nicht durch die Bank weg schlecht, aber wie du sagst, es gibt überall Probleme, die einfach viel zu selbstverständlich und damit unproblematisch bewertet werden, dass ich lieber so etwas lesen würde als über den Inhalt von Handtaschen und so weiter.
Gibt’s eigentlich auch für “Oben ohne”-Aufkleber Geld? Die sind zwar eindeutig in der Minderheit, aber ich habe auch schon welche an Laternen, Ampeln etc. gesehen.
ich geb dir total recht, in allen punkten stimm ich dir zu. ich bin in letzter zeit auch zunehmend von blogs gelangweilt, weil sie mir einfach nichts “geben”. ich halte meinen eigenen aber momentan für genauso langweilig, deshalb guck ihn dir am besten nicht an!
ach, noch etwas:
ich bin über http://nach-herzenslust.blogspot.com/ auf deinen blog gestoßen, ich kannte ihn vorher noch nicht. werde jetzt aber wohl öfter vorbeisehen (:
@leni: Genau das Gefühl habe ich auch.
Deinen Blog habe ich trotzdem besucht, wie gesagt, man sollte auch mal über den eigenen Tellerrand schauen, da mache ich bei mir keine Ausnahme.
Vielen Dank für deinen Kommentar!