[MeMadeMittwoch] Swing like it’s 1952

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Ich bin verliebt. Vor über einem Jahr bin ich in der BurdaStyle 10/2012 über den Vintage-Schnitt #134 gestolpert. Ein Kurzmantel, und obwohl er – für meinen Geschmack – unglaublich grottig gestylt wurde, wusste ich sofort: den muss ich nachnähen. Ich war einfach hin und weg und kann gar nicht genau sagen warum.


Bilder von Burdastyle.de

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass es mir sehr sehr wichtig ist, dass meine Kleidung einen praktischen Zweck erfüllt. Wenn es regnet, ziehe ich meine Regenjacke an, da ist es mir weniger wichtig, schick auszusehen als vielmehr nicht nass zu werden. Mein Kleiderschrank ist auf Klamotten ausgerichtet, die nicht gebügelt werden müssen und unkompliziert zu reinigen sind. Handwäsche? Geht gar nicht. Röcke und Kleider ohne Taschen? Pff.
Umso mehr ist ein Zwiespalt in mir entstanden, weil der Kurzmantel ohne Verschluss konzipiert ist, ein Revers hat (bei einem Mantel, den ich in den kälteren Jahreszeiten anhabe, brauche ich einen Verschluss bis oben hin. Wärme > Style) und – gasp! – keine Kapuze hat. Das ist für mich ein totales Knock-Out-Kriterium. Wenn mir eine Jacke gefällt, diese aber keine Kapuze hat, verliere ich sofort das Interesse.
Dementsprechend lang hat auch der Schaffensprozess gedauert. Ich habe überlegt, Ideen verworfen, gezögert, Stoff bestellt, mich an den Schnitt gemacht, zugeschnitten, Einlage aufgebügelt – und dann war schon so viel Zeit rum, dass ich den Mantel gar nicht hätte tragen können, weil er zu warm gewesen wäre. (Der Witz an der Geschichte ist, dass es im Frühjahr nochmal so kühl geworden ist, dass ich ihn doch hätte tragen können. Konnte aber keiner wissen.) Das Projekt lag also auf Eis, bis ich es vor einigen Wochen wieder aufgenommen habe. Letzte Woche war es dann soweit: ich konnte das Endprodukt endlich anziehen, auch wenn das Wetter sich wieder einen Scherz erlaubt hat und die Temperatur gestiegen ist, so dass der Wollmantel mir fast schon wieder zu warm war.



Das ist er, mein Mantel. In einem schönen, kräftigen Rot, das genau meine Farbe ist. Mit Kapuze und Verschluss. Besonders schön finde ich auch die Rückansicht mit den Kräuselungen an der Passennaht.


Auf den Fotos sind auch der Bindegürtel und die Kapuze im Einsatz, bzw. nicht im Einsatz. Ich habe noch ein paar kleinere Knöpfe bezogen, mit denen die Kapuze angebracht werden kann. Wenn sie nicht angeknöpft ist verstecken sich die Knöpfe unterm Kragen.
Bisher habe ich noch nie einen Bindegürtel für eine Jacke benutzt, aber bei dem Swinger finde ich es gar nicht schlecht. Da steckt doch ziemlich viel Weite in den Kräuselungen an der Raglan-Naht, manchmal ist es ganz gut, die in Schach halten zu können.


Das Detail, das mir wahrscheinlich am besten gefällt, ist das Futter. Total weicher Baumwollbatist, ein bisschen ungewöhnlich als Futter, aber als ich den Stoff gesehen habe, war mir sofort klar, dass es die Kombination sein muss. Die Farben passen toll zusammen (auch wenn das Rot der Blüten eher ins Pinke geht) und ich mag den Überraschungseffekt: ein Mantel für die kalten Jahreszeiten, in dem aber auch Hawaii-Feeling steckt. Vom Batist hatte ich noch genug übrig, um einen Schal/Halstuch zu schneiden. Die Ränder habe ich einfach mit dem Overlock-Rollsaum verarbeitet, saubere Sache.



Verarbeitungstechnischer Schnickschnack. Meine handgenähten Knopflöcher finde ich gut. Die Kapuze hat auch einen Tunnelzug, die Löcher dafür habe ich auch mit Knopflochstichen verarbeitet. Also ziemlich viel Handnäharbeiten, was bei mir – von Stickereien und anderen Verzierungen – selten vorkommt.
Und zum Abschluss noch ein atmosphärisches Bild, dass meine beste Freundin Laura von mir gemacht hat, als wir einen Ausflug in den Wildpark gemacht haben:

Nochmal alle Fakten für den MeMadeMittwoch:
Schnittmuster: BurdaStyle Magazin 10/2012, Vintage-Modell 105
Oberstoff: 80% Wolle, 20% Polyester
Futter: Baumwollbatist
Änderungen: Der Mantel war ohne Verschluss vorgesehen, ich habe mich aber für bezogene Knöpfe entschieden. Außerdem habe ich eine abnehmbare Kapuze und einen Bindegürtel genäht. Am Revers habe ich noch ein Häkchen und eine Garnöse (mit Knopflochstichen umstochen) angebracht, damit ich die Jacke auch ganz zumachen kann.
Kosten: Hm, da ich den Mantel letztes Jahr angefangen habe, weiß ich nicht mehr so richtig, wieviel Geld ich tatsächlich ausgegeben habe. Der Wollstoff hat ca. 12€/m gekostet, der Batist schätzungsweise 6€/m. Die bezogenen Knöpfe haben mich nichts gekostet, da sitze ich an einer guten Quelle.
Trage-Faktor? Ich bin alles in allem zufrieden mit dem Mantel. Hier und da gäbe es ein paar verbesserungswürdige Details, aber deswegen mache ich den Mantel nicht mehr auf: auf der einen Seite fallen die Fältchen vorne nicht so schön, die Paspeltaschen sind nicht meine besten und die Kapuze ist etwas zu weit. All das stört mich nur minimal, daher bleibt das so. Ich liebe kräftige Farben, vor allem Rot und Grün, und fetzige Futterstoffe, Klamotten mit Bewegungsfreiheit und praktischen Details. Daher ist der Mantel meine neue Lieblingsherbstjacke. Meine Kolleginnen und Freunde haben ihn auch schon bewundert und ich war richtig stolz, als ich ihn ausführen konnte. :)


Gesamtoutfit:
Kleid: habe ich schon an die sechs Jahre, keine Ahnung mehr, woher
Strumpfhose: American Apparel (Geburtstagsgeschenk von meinen supertollen Kolleginnen :3)
Schuhe: Apple Of Eden über Kauf dich Glücklich
Hut: Second Hand
Gürtel: Second Hand
Tasche: Selbstgenäht
Mantel: Selbstgenäht

Kategorie: goldenes Handwerk
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