Mittwoch
02. März
2011

Comics und Kleister

Am Montag war ich bei Laura, wo ich etwas Kleisterpulver abgegriffen habe – danke nochmal! Jetzt kann ich endlich einige Projekte in Angriff nehmen, die mir schon länger im Kopf rumschwirren.

Dieser Post dreht sich allerdings um eine spontane Aktion. Seit Jahren bewahre ich USB-, Ladekabel und anderen technischen Kleinkram in einer Schuhschachtel auf:


Recht unspektakulär. Ich glaube der Grund, warum ich sie überhaupt aufgehoben habe, war das Loch in der Vorderseite und dass man den Deckel nach hinten klappen konnte.
Am gleichen Tag habe ich ein Lustiges Taschenbuch, das ich vor einer Weile auf dem Flohmarkt gekauft habe, durchgelesen, und so leid es mir auch tut, Comics zu zerschneiden, aufheben wollte ich es beim besten Willen nicht, eine Comic-Sammlung reicht mir. Naja, dafür ist es ja nicht komplett ins Altpapier gewandert, sondern hat durchaus noch einen dekorativen Zweck erfüllen können.


Phantomias und die Dünnli-Diät – bereits 1991 ein aktuelles Thema.
 

Nach dem Kleister anrühren habe ich einige schöne und/oder witzige Seiten aus dem LTB rausgesucht und mit dem Bastelmesser ausgeschnitten. Besonders toll fand ich die Story um Johnny Melody:

“Schluck!” – Ich finde es grandios, wie eingeschüchtert der Ganove von der Gitarre ist.

Weil ich nicht wusste, ob die Comicseiten durch den Kleister sehr aufweichen und durchscheinend werden würden, habe ich den Schuhkarton zuerst mit Packpapier zugekleistert. Im Nachhinein denke ich, dass die Seiten nicht wirklich transparent geworden wären, aber ich wollte die bunten Farben nicht durch das (eventuell) durchscheinende Schwarz ruinieren.
Nachdem diese Lage halbwegs trocken war, habe ich mit dem Kleister die Comicseiten draufgeklebt:



 

 

 

 

 

Die Seite mit der furchteinflößenden Gitarre hat einen Ehrenplatz erhalten.
 

Nochmal Johnny in seiner ganzen Pracht und die Lagerfeuerszene, die es mir ebenfalls angetan hat.

 
Ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden. Ich dachte, ich schaffe es (wie immer) zig Luftbläschen, Knicke und Risse reinzuhauen, aber im Gegenteil, das Ergebnis lässt sich echt sehen. Es steht zwischen Lautsprecher und Fensterbank auf meinem Schreibtisch und ist wirklich ein Hingucker. Ja, ich bin begeistert. :tongue:

Ich war früher eher der Micky Mouse-Magazin-Leser. Jede Woche habe ich es mir gekauft, auch als ich das Alter der Zielgruppe wahrscheinlich längst überschritten hatte. Dann kam Batman, aber das ist eine andere Geschichte. LTB habe ich mir eher zu “besonderen” Anlässen gekauft, wie die Fahrt in den Urlaub oder so. Ich war damals schon eher sparsam. Seit längerer Zeit habe ich mir vorgenommen, mal ein aktuelles Micky Mouse-Heft und LTB zu kaufen, um zu sehen, was sich alles verändert hat. Vor allem eine Phantomias-Geschichte würde mich locken; zusammen mit Tick, Trick und Track zählt er zu meinen liebsten Entenhausenern. (Bevor mich jemand tadelt was denn mit Darkwing Duck sei, der vielleicht, vielleicht auch nicht, die Disney-Variante von Robin Hood als meinen persönlichen Helden abgelöst hat: der wohnt nicht in Entenhausen. Na, wer kennt den Namen der Stadt, ohne zu googlen?) Nur vergesse ich das jedes Mal, wenn ich an einem Kiosk bin. :notsure:
In dem LTB-Band von 1991, den ich hier verwendet habe, kommen mir manche Sachen nämlich recht seltsam vor. Zumindest für eine Comic-Enthusiastin. Vielleicht liegt es auch an meinem Alter, als jüngerer Leser nimmt man Dinge ja oft ganz anders wahr.
Da wäre einerseits das “bla… bla…”, das in Sprechblasen steht, um einen Redeschwall darzustellen. Ich möchte keine Vergleiche zu Batman setzen, da das für mich eine andere Comic-Liga ist, aber selbst für einen Comic der Kinder als Zielgruppe hat, finde ich das etwas lieblos. Die Wortwitze fand ich auch schlecht, aber gut, Geschmacksache. Ein_e Zehnjährige_r mag sich durchaus darüber amüsieren. Mich würde auch mal interessieren, wie ein Micky Mouse-Comic/LTB sich auf englisch liest.
Oh, und das hier ist eine Seite, die es definitiv nicht auf den Karton geschafft hat:



Bin ich die Einzige, der Mickys hämisches Grinsen Angst einjagt?

 
Zum Thema alte Comics, Sexismus in alten Comics (wenn es auch nicht das eigentliche Thema ist), Retro und Vintage habe ich noch einen Linktipp. Auf dem Tumblr-Blog comically vintage werden lustige, interessante oder komische Panels aus alten Comics vorgestellt, meistens mit einem Kommentar versehen, das genau meinen Humor trifft. Definitiv einer meiner Tumblr-Favoriten.
Einträge, bei denen ich das Herz in der Ecke oben gedrückt habe (wie “like” auf Facebook, y’know?): a boulevard of broken dreams; Benimm-Superman; strangled guard; the bag! the belt!. Viel Spaß beim Stöbern!

Freitag
25. Februar
2011

Mit einer großen Kamera kommt große Verantwortung.

Naja, zumindest bei mir, denn einer meiner ersten Gedanken nach dem Auspacken war “und wie transportiere ich das ab jetzt Teil am besten?”.
Eine Kameratasche die von der Größe der Kamera her passen würde habe ich zwar – die war mal bei einem Zweierset von Aldi dabei, ich brauchte die kleinere der beiden – nur das Objektiv würde nicht rein passen. Schon gar nicht an der Kamera dran, was doppelt unpraktisch ist wenn man jedes Mal, wenn man die Kamera nicht exponiert um den Hals baumeln haben will, das Objektiv abschrauben muss. Umständlich und nicht unbedingt kamerafreundlich, weil es draußen viel leichter zu Verschmutzung durch Sand, Staub und so weiter kommen kann, sagt die Anleitung.
Eine Kameratasche kaufen wollte ich nicht, erstens sehe ich es nicht ein, so viel Geld zu bezahlen, Qualität hin oder her, wenn ich in den nächsten zehn Jahren nicht vorhabe, auf Fotosafari zu gehen oder mit der Kamera den K2 zu besteigen.
Die für mich logische Schlussfolgerung lautete also: selber machen. Nach einigen Überlegungen zu Form, Material, Innen-/Außentaschen und Stabilität kam mir das Vorhaben aber wieder zu umständlich vor. Zudem war ich mir auch nicht mehr sicher, ob eine Kameratasche für mich wirklich ideal wäre. Wie ich mich kenne würde ich noch eine zweite Tasche mitnehmen müssen, für Geldbeutel, Trinken, etc.
Also lautete die neue Frage eher: wie nehme ich die Kamera am besten in meiner Tasche mit?


 

 

Die äußeren Stoffe sind alles Reste. Gepolstert wird der Beutel durch eine Lage dickes Fleece, das mal eine Decke von Ikea war. Der schwarze Stoff innen war mal ein altes schwarzes T-Shirt, das ansonsten in die Altkleidersammlung gewandert wäre.
Obwohl der Beutel sehr einfach gehalten ist, finde ich ihn super, weil er durch die Lage Fleece im Inneren so weich ist. :stare:
Die Objektive haben natürlich auch eine Schutzvorrichtung gebraucht:

 

 

 

Erinnert das noch jemanden an den Sigg-Flaschen-Trend in der Grundschule?

Und alles passt in den großen Beutel, der in meine Tasche passt und sogar etwas Platz für anderes Zeug lässt.

Um den DIY-Eintrag auch noch zu einem Fundstück-Eintrag zu machen, habe ich einen Link rausgesucht, der vielleicht dem ein oder anderen weiterhelfen könnte oder einfach auf neue Ideen bringt. Ich bin im Prinzip genauso vorgegangen: Easy Drawstring Bag auf purlbee.com.

Mittwoch
23. Februar
2011

Denken in Schubladen

Hach, Stöckchen. Menschen, die nicht bloggen oder das Wort noch nie gehört haben, müssen sich unter dem (wie ich finde) etwas ominösen Begriff eine Art Frage-Antwort-Spiel vorstellen, das ein Blogger an den anderen weitergibt. Waldbrandartig geistern die Stöckchen durch die Bloggerszene, bis sich ihre Spuren irgendwann im Sand verlaufen und man eine Weile Ruhe hat. Meinen Erfahrungen nach werden die meisten aber irgendwann wieder ausgegraben und auf eine erneute Reise durch das wunderbare Land von WordPress, Blogspot und Co. geschickt.
Mich selbst interessieren Stöckchen nicht besonders, auch wenn sie manchmal sicher eine gute Initiative zum Bloggen sein mögen. Ich schreibe lieber selbst etwas, da ich es etwas unoriginell finde, meinen Lesern und Leserinnen ein ausgelutschtes und schon dreimal wieder aufbereitetes Stöckchen zu servieren. (Was natürlich wie immer nicht heißt, dass ich dies irgendjemand verbieten oder schlecht reden möchte. Euer Blog, eure Regeln.)
Auf Celinas Blog stieß ich neulich auf ein altbekanntes Stöckchen, das wahrscheinlich schon zu meiner MyBlog-Zeit die Runde machte.
Besagtes Stöckchen soll wohl durch ein Ankreuzverfahren ermitteln, wie sehr “Junge” oder “Mädchen” man ist:

Die Jungsseite:

[ ] Du liebst Hoodies
[ ] Du liebst Jeans
[ ] Hunde sind besser als Katzen
[ ] Es ist lustig, wenn Leute hinfallen und sich wehtun
[ ] Du spielst gegen/mit Jungen in einem Team
[ ] Shopping ist grauenvoll
[ ] Traurige Filme sind scheiße
[ ] Du besitzt eine Konsole
[ ] Du hast als kleines Kind mit Hot Wheels gespielt
[ ] Als Kind wolltest du ein Feuerwehrmann sein
[ ] Du besitzt einen Handheld
[ ] Du bist/warst verrückt nach Power Rangers
[ ] Du schaust Sport im Fernsehen
[ ] Blutrünstige Filme sind cool
[ ] Du fragst deinen Vater nach Rat
[ ] Du hast eine Auszeichnung im Sport
[ ] Du hast Yu-Gi-Oh gespielt
[ ] Baggypants sind gemütlich zum tragen
[ ] Pyjamapartys sind merkwürdig
[ ] Grün, Schwarz, Rot, Silbern, Blau sind einige deiner Lieblingsfarben
[ ] Du liebst es, verrückt zu sein und dir ist es egal, was Leute darüber denken
[ ] Sport macht Spass
[ ] Du redest manchmal mit vollem Mund
[ ] Du schläfst mit Socken
[ ] Du hast schon einmal gefischt

Die Mädelsseite:

[ ] Du magst Shopping
[ ] Du trägst Eyeliner
[ ] Du trägst pink
[ ] Du bittest deine Mum um Rat
[ ] Du bevorzugst Cheerleading im Sportunterricht
[ ] Du hasst es, nur schwarz zu tragen
[ ] Du gehst gerne in Einkaufszentren
[ ] Du magst Maniküren/Pediküren
[ ] Du magst Schmuck zu tragen
[ ] Du hast geheult, als du “The Notebook” geschaut hast
[ ] Du hast viele Röcke
[ ] Shopping ist eins deiner liebsten Hobbys
[ ] Du hasst Star Wars
[ ] Du machst Gymnastik
[ ] Es braucht eine Stunde um zu duschen oder anzuziehen
[ ] Du lächelst öfter als du solltest
[ ] Du hast mehr als 10 Paar Schuhe
[ ] Die meiste Zeit denkst du über dein Aussehen nach
[ ] Du trägst gerne Kleider
[ ] Du benutzt gerne Parfüm oder Deo
[ ] Du magst High Heels
[ ] Als Kind hast du mit Puppen gespielt.
[ ] Du findest Liebesbriefe romantisch.
[ ] Du gehst oft zu zweit auf die Toilette.
[ ] Du liebst es dich zu schminken.

Ich frage mich, ganz im Ernst, wer sich diesen Bullshit ausgedacht hat beziehungsweise dieses Stöckchen wieder und wieder an die Oberfläche sämtlicher Blogcommunities und unabhängiger Blogs zerrt.
Selbst wenn ich meine Meinung, dass das Denken von Geschlechtern als binär rückschrittlich ist, aus dem Spiel lasse, ist es für mich offensichtlich, dass zum einen für Geschlechter vollkommen unspezifische Kriterien zur Polarisation benutzt werden (“Du liebst Jeans” – was, zur Hölle, hat das mit Mann-Sein zu tun? Dieser Punkt könnte genauso gut bei der weiblichen Seite stehen!) und zum anderen natürlich wieder auf die alten Vorurteile und Stereotypen zurückgegriffen wird. Einfallsreichtum und Tiefgang kann man von diesem Stöckchen wahrlich nicht erwarten, wenn man wie ich davon ausgeht, dass seine Aufgabe nicht ist, Geschlechterrollen und -klischees vorzuführen.
Also, lasst uns mal sehen – laut den Auswahlmöglichkeiten oben sind Männer und Jungen sportlich, technikversiert, haben eine große Abneigung gegen alles, was sie im Entferntesten als weiblich dastehen lassen könnte und scheren sich nicht darum, was andere von ihnen denken. Frauen und Mädchen hingegen sind auf ihr Aussehen fixiert, frönen dem Konsum (wow, gleich zweimal ein fast identischer Punkt zu Shopping, was die Aussage angeht), sind gefühlsduselig und machen wenn dann Gymnastik und Cheerleading als Sport.
Wieso sind solche starren Stereotype immer noch Gang und Gäbe? Ich kann mir vorstellen, dass nach diesen Kriterien sehr viele sich als Frau bezeichnenden Personen als “männlich” abschneiden. Ist das nicht der Beweis, dass es obsolet ist, “Mann” und “Frau” eigene Attribute zuschreiben zu wollen, weil jedes Individuum unterschiedliche Eigenschaften von beiden Seiten der von der Gesellschaft festgelegten Spektren hat? Niemand passt hundertprozentig in die Schablone, die wir ihm oder ihr aufdrücken wollen. Warum sprechen wir von “Frauenthemen”, sobald etwas mit Aussehen, Pflege und Einkaufen zu tun hat? Ich saß neben drei Freunden, die sich todernst und mit einer Selbstverständlichkeit über Fingernägel unterhalten haben. Dass die drei Gitarristen sind, erklärt vermutlich einiges, zeigt aber auch, dass “Frauenthemen” eben nicht nur Themen für Frauen sind. Wieso sollten sie auch einem Geschlecht vorbehalten sein? Wieso belächeln wir Männer, die auf ihr Aussehen achten, als “Mädchen” oder “Tussi”, als sei es beleidigend, amüsant oder herabsetzend, sich nicht an die als männlich festgelegten Verhaltensmuster zu halten? (Selbst oft genug miterlebt bei Schulkameraden, die gefühlt jede zweite Stunde im Spiegel die Frisur überprüft oder im Sportunterricht lieber am Spielfeldrand gestanden und gelästert haben.)

Interessant finde ich auch Geschlechterklischees im Zusammenhang mit Sprachgebrauch.
Ziert sich jemand, ist er oder sie eine “Pussy” (was sich wahrscheinlich nicht auf Katzen bezieht…) und kriegt zu hören, er oder sie stelle sich “mädchenhaft an”. Als Gegenpart fällt mir da “Eier haben” und “seinen Mann stehen” als Umschreibung für jemanden ein, der Rückgrat beweist.
Bei dem Stöckchen macht die “Mädchenseite” auf mich auch eher einen kindischen “Gnihihihi, Frauen interessieren sich nur für ihr Aussehen und sind ja solche Shopping Victims”-Eindruck, die “Jungsseite” ist dagegen recht Sport-/Wettbewerb-/Erfolg-orientiert. Das ist aber nur mein persönlicher Eindruck.

Oh, ich glaube den Knackpunkt der Sache habe ich ganz vergessen, sagt es nicht, es bricht mir sonst mein kleines Herz: es ist ja alles nur Spaß. Also hören wir bitte auf, Dinge zu hinterfragen, denn natürlich steckt kein Körnchen Wahrheit dahinter. Lachen wir darüber, und irgendwann nehmen wir vielleicht gar nichts mehr ernst und müssen uns keine Sorgen machen, dass der Witz vielleicht auf unsere eigenen Kosten geht.

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