Mittwoch
18. Januar
2012

Ich erkläre die mir selbst verschriebene Winterpause hiermit für beendet

Heute Morgen hat mich die Sonne geblendet, als ich in der Bahn saß. Im Sommer kriege ich fast die Krise, wenn ich meine Sonnenbrille nicht dabei habe und dauernd die Augen zukneifen muss, aber heute Morgen war ich erleichtert. Der Winter könnte von mir aus sofort enden – ich hatte noch nie eine richtige Abneigung gegen die kälteren Jahreszeiten, aber zur Zeit habe ich das Gefühl, dass es Frühling werden muss. Dieser Winter drückt mir seltsam schwer aufs Gemüt. Ich bin um jeden Tag dankbar, an dem es abends heller ist als vor einer Woche. Dieser verdammte Winter hat den Charme einer Isolationshaft. (Und alles, was ich heutzutage von dir höre, ist das Tuten am anderen Ende der Leitung.)
Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, war ich nicht untätig was Do it yourself (und das neue Layout, offensichtlich) angeht. Wenigstens habe ich dann hier etwas zu zeigen. Produktivität gegen Winterblues.

Dienstag
22. November
2011

How would you cope if the world decided to make you suffer for all that you were?

Als ich vor einigen Jahren die ersten Gehversuche mit der Nähmaschine unternommen habe, habe ich mir gerne Inspiration von einer Livejournal-Community geholt. Ich weiß gar nicht mehr, wie sie heißt, weil ich auch schon lange nicht mehr dort vorbei schaue. Es ging eher um die Weiterverarbeitung oder das Aufpeppen von bereits vorhandenen Kleiderstücken als um die Selbsterstellung von Klamotten und hatte viele dankbare Projekte für Anfänger zu bieten.
Im Kopf geblieben ist mir allerdings Lex mit ihrem Label Smarmy Clothes. Ich habe schon damals ihre Farb- und Musterzusammenstellung und die Weiterverarbeitung von Band-T-Shirts bewundert (sie betreibt übrigens auch eine Tutorialseite).
Jahre später bin ich dann auf eine Kollektion von Maya Hansen gestoßen, ich weiß gar nicht mehr ob der Link in Zusammenhang mit Smarmy Clothes genannt wurde oder ob ich selbst beides in Verbindung gebracht habe. Jedenfalls finde ich die Kombi Korsett bzw. Korsagenoberteil plus Bandshirt verdammt cool. Damals habe ich auch schon erste stümperhafte Versuche in diese Richtung unternommen, bin aber am Jersey der Shirts verzweifelt. Viel hat sich da auch nicht geändert. Heute weiß ich zwar mehr, aber gewisse Dämonen fordere ich nur ungern heraus.

Vor ein paar Wochen habe ich das Projekt Korsage dann aber in Angriff genommen. Den Anstoß dazu hat wahrscheinlich die Korsage gedient, die ich auf dem Flohmarkt gefunden habe, ganz schlicht in schwarz, sieht eher aus wie ein trägerloses Top als eine Korsage. Das Tragegefühl war so überraschend angenehm, dass alle Zweifel beseitigt waren. Ich habe das Gefühl, dass meinem Rücken die gerade Haltung, die man durch die Stützstäbchen hat, total gut tut; ich habe mich auch nicht wie befürchtet eingeengt gefühlt und Luft holen war auch kein Problem.
Also: let’s do it. Da man angenehmer Weise eher wenig Stoff benötigt, habe ich geguckt, was meine Reste so hergeben und mich dann – unüblich bei mir, aber super hilfreich! – an die Skizzen gesetzt:

Ein Unterbrustkorsett ohne Schnürung sollte es werden (also die Skizzen links), Farbschema schwarz/rot. Nächster Schritt: Zuschneiden und Materialien zusammensuchen.

Zuerst habe ich ein Probeteil aus festem Baumwollstoff genäht. Den habe ich von meiner Großcousine, die ihn von der Schwiegermutter bekommen hat, falls ich das richtig im Kopf habe. Probeteil hat nach ein paar Änderungen gepasst und wurde wieder auseinander genommen, um den Oberstoff damit zu verstärken. Das funktioniert super! Der Oberstoff ist ein ziegelroter Satin, von dem man nicht richtig sagen kann ob er rot oder orange ist, teils mit Polkadot-Tüll überzogen (ich dachte ich brauche diese Reste niemals auf, und tada! Eines Besseren belehrt.), als Futter schwarzen Futterstoff und zum Schließen Reste des Haken-und-Ösen-Bandes, das ich auch schon jahrelang besitze und nicht angerührt habe. Bei manchen Dingen warte ich eben gerne auf das Projekt, vor allem, wenn sie so teuer sind wie das Band…
Nicht abgebildet sind Korsettstäbchen, Satin-Schrägband und Satinband, mit dem ich die Nähte verdeckt habe.
Viele Arbeitsstunden später sieht das Ergebnis so aus:

Ich bin verdammt stolz. Gut, am Futter hab ich übel geschlampt, aber hey, ich wollte fertig werden und irgendwann ist dann auch meine Geduld zu Ende. Aber mit dem Rest bin ich erstaunlich zufrieden. Ich hatte weit weniger Probleme und Nervenzusammenbrüche als erwartet, dafür, dass das Ergebnis so überzeugend geworden ist. Wahrscheinlich, weil ich im Voraus geplant und ein Probestück gemacht habe. Es passt auch super, ist an ein paar Stellen vielleicht einen Hauch zu groß, aber das macht nichts. Vielleicht ist es auch eher eine Korsage als ein Korsett, so stark formt es meinen Körper nämlich nicht.
Der Soundtrack (und Namengeber) für dieses Teil war Girls like you von The Naked and Famous: don’t you know people write songs about girls like you?

Das Outfit werde ich übrigens an der nächsten Premiere anziehen, ich freue mich enorm. Diese Premiere wird mein vorgezogenes Weihnachten. Nein, besser, aus Weihnachten mache ich mir nicht viel.

Montag
07. November
2011

Alles aus Resten

Von Verwandten aus dem Norden habe ich neulich ein Paket mit Nähzeug bekommen; darunter waren auch ein paar Reißverschlüsse, die aus dem Tante-Emma-Laden meiner verstorbenen Großtante stammen. Das kam mir sehr gelegen, ich bin selbst meistens viel zu geizig, (neue) Reißverschlüsse zu kaufen.
Auf einem Flohmarkt vor ein paar Wochen habe ich eine weiße Leinenbluse für ca. 30 Cent erstanden. Zuhause habe ich sie in einem Eimer mit Schwarztee eingefärbt.
Zusammen mit Resten von gemusterter Baumwolle, Stickgarn und Jersey-Resten für das Futter ist dann ein Prototyp Mäppchen entstanden. Prototyp, weil mir das Ganze dann doch etwas zu blumig war und ich vorhabe eine etwas neutralere Version zu nähen, vielleicht auch mit verschiedenen Materialien (Plastiktüte!) und Stoffarten. Das Leinen finde ich aber toll als Kontrast zu dem Patchwork-Charakter und wird definitiv so beibehalten.

Ich arbeite gerade noch an einem anderen Projekt, für das ich aber Zutaten aus dem Internet bestellen muss, da ich sie hier nirgends finden konnte. Ich freue mich aber schon wenn ich endlich weiter nähen und das Resultat zeigen kann.

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