Vor einiger Zeit – ich denke, ich kann getrost von Monaten sprechen – habe ich auf der Suche nach Ideen und Inspiration Modcloth durchsurft und habe mich etwas verguckt. War ja auch zu erwarten, die Seite hat wirklich viele schöne Klamotten online, die ich nachnähen würde.
Speziell geht es um das such a Sweetheart-Kleid, das einfach so viele meiner Lieblingsformen und -details verbindet, dass ich den Versuch wagen wollte, meine eigene Version zu nähen. Zuerst habe ich einen nähren Blick vorgenommen und die Details notiert:
Die Bilder geben schon einiges her, wo was angenäht worden ist und wo sich welche Details im Original befinden. Kann ja aber alles nach eigenem Geschmack geändert werden, zum Beispiel ist ein durchscheinender Rock ein absolutes No-Go für mich, bei sowas fühle ich mich nicht wohl. Also entweder blickdichte Baumwolle oder Futter. (Die Wahl fiel auf letzteres, da meine Baumwolle mir auch nicht blickdicht genug war.)
Was die Farben anging war klar, dass Schwarz den Hauptpart spielen würde. Grau fand ich als Kontrast ziemlich cool, passt auch zu allen Accessoires, Strumpfhosen, Lippenstiften und so weiter. Auf der kleinen Vorschau dachte ich, der graue Stoff sei meliert, aber im Zoom ist zu sehen, dass der Stoff gestreift ist. Gefällt mir nicht ganz so gut, muss ja aber auch nicht übernommen werden.
Bei der Stoffauswahl war ich etwas eingeschränkt. Ich wollte für das Oberteil Jersey nehmen, weil ich die Idee von der unterschiedlichen Textur und dem unterschiedlichen Habitus der Stoffe auch noch ein schönes Detail finde. Grauen Jersey, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, habe ich nicht gefunden. Was mir stattdessen gut gefallen hat war ein anthrazitfarbener Jersey, der je nach Licht auch nach Graulila aussieht. Damit ist der farbliche Kontrast zwar nicht mehr so groß, aber auch kleine Farbkontraste weiß ich zu schätzen.
Beim Oberteil habe ich hin und her überlegt, ob ich einen Schnitt von einem Bustier o.ä. verwenden soll, habe mich dann aber selbst an einem Muster versucht und zur Sicherheit noch ein Probeteil angefertigt. Hat geklappt. Also das Ganze auf den mit Vlieseline bebügelten Jersey übertragen und anprobiert. Dabei habe ich dann die Abnäher gesteckt und später mit Faden markiert.
Bis dahin hat alles wunderbar hingehauen und auch das restliche Kleid zusammen zu werfen hat geklappt. Mein einziges Problem, oder besser gesagt der einzige Störfaktor ist für mich jetzt, dass der Rockteil durch das Futter am Oberteil etwas absteht und so aufgepufft wirkt. Das könnte sich durch eine Runde bügeln beheben lassen, aber ich habe etwas Angst, nach einigen Stunden Tragen wieder ein taillenloses, puffiges Kleid zu haben. Ich bin gerade noch dabei, dieses Problem in den Griff zu kriegen. Die Lösung habe ich mir schon überlegt und der Anfang ist auch gemacht, aber der Antrieb, der fehlt mal wieder. Da es aber mittlerweile sowieso viel zu kalt ist, um dieses Kleid auf der nächsten Theaterpremiere zu tragen, bin ich auch nicht sonderlich in Eile.
Bei mir ist es übrigens auch kein Sweetheart-Kleid. Bei mir heißt es Ashes to ashes (funk to funky), weil das Lied von David Bowie beim Nähen rauf und runter lief.
Sehr viel länger hinhalten will ich euch nicht, hier sind Bilder vom fast fertigen Kleid, ungebügelt und so weiter, weshalb es teilweise etwas schief und aufgebauscht aussieht:


Ich hab die letzten Jahre ab und zu vom Stoffmarkt Holland gelesen, aber habe immer die Termine verpasst. Letzten Sonntag haben Laura und ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sind zum Termin in Ludwigsburg gefahren.
Durch das milde Herbstwetter bedingt war rund um das Blühende Barock sehr viel los, was die Parkplatzsuche zur Odyssee gemacht hat. Ein bisschen vom Zentrum entfernt haben wir dann bequem im Wohngebiet geparkt und hatten sozusagen noch einen netten Spaziergang.
Da wir beide nichts Spezielles gesucht haben, haben wir uns auch nicht so richtig ins Getümmel gestürzt und die Stände durchwühlt. Gekauft haben wir auf dem Stoffmarkt auch nichts. Ich denke, wenn man eine konkrete Vorstellung oder ein Projekt im Kopf hat, wird man auch fündig, besonders was Patchworkstoffe angeht, da waren echte Schätze dabei. Den Schnäppchenfaktor würde ich jedoch gering einschätzen, zumindest was Jersey und Baumwolle angeht. Das waren so die gleichen Preise, die ich auch im Stoffgeschäft finde.
Bei Borten und Bändern hätte ich aber ganz gut zugreifen können, die Preise waren in Ordnung und so eine große Auswahl habe ich auch noch in keinem Geschäft gefunden. Die Vernunft und der Sparfuchs hat dann aber gesiegt.
Ob ich nächstes Mal wieder auf den Stoffmarkt gehe, weiß ich noch nicht. Ich hatte das Gefühl, dass der Markt etwas überbewertet ist. Vielleicht auch, weil ich nicht so eine große Bereitschaft habe, viel Geld für den Meter Stoff auszugeben.
Wenn mir die Termine rechtzeitig über den Weg laufen, werde ich vielleicht wieder hingehen, wenn nicht, dann nicht, und ich würde mich auch nicht darüber ärgern, den Stoffmarkt verpasst zu haben.
War jemand von euch schon auf dem Stoffmarkt oder hat noch vor, einen der Termine diesen Herbst wahrzunehmen?


Ich weiß gar nicht, wie lange ich schon an diesem Projekt arbeite. Ich schiebe gar nicht gerne Sachen vor mir her, aber bei Nähprojekten muss ich manchmal einfach leider sehr kleine Schritte machen, selbst bei unkomplizierten. Aber mehr zu den versteckten Tücken später, jetzt soll es erst mal um die Burda easy fashion Herbst/Winter 2011 gehen.
Schon die Vorschau hat mich eher ernüchtert und das Heft an sich hat mich dann fast schon enttäuscht. (Das Stirnband aus Strick mit der XXL-Schleife – urgs.) Ich weiß gar nicht mehr, warum ich das Heft gekauft habe, wahrscheinlich wegen der Inspiration und den Tipps und Tricks. (Ist wie mit den Mickey Mouse-Comics, nech.)
Die Vorschau kann man auch online finden, allerdings nur zeitlich bedingt. Wer weiß in wie vielen Wochen oder Monaten dieser Link nur noch auf die Burda-Hauptseite führen wird.
Dafür, dass ich die H/W-Ausgabe so unterdurchschnittlich fand was Originalität und ja, fast schon Lieblosigkeit was teilweise die Produktion der Fotoshoots angeht, ist es umso erstaunlicher, dass ich gleich zwei Sachen aus genau dieser von mir ungeliebten Ausgabe nachgenäht habe, und das auch noch so zügig.
Da wäre zum einen der Obi-Gürtel aus der “Come as your are”-Fotostrecke, der mich zum Nachnähen angestiftet hat:

Dem Model steht er natürlich und passt zum Kleid, aber ich wollte keinen so breiten Gürtel, was bei mir sicher auch nicht vorteilhaft ausgesehen hätte und mir an mir auch nicht gefällt. Den Burda-Schnitt habe ich also guten Gewissens gar nicht beachtet, mir die Anleitung durchgelesen und einen Obi-Gürtel nach eigenem Ermessen gemacht:

Auch ein super Projekt für die Resteverwertung. Gut, Volumenvlies hatte ich auch nur zufälligerweise zur Hand, ansonsten hätte ich ein oder zwei Lagen Fleece-Rest genommen, sowas geht denke ich auch gut, wenn man die Lagen vor dem Nähen zusammenheftet.
Mit dem Obi-Gürtel war ich auch im Nu fertig und habe mich dem zweiten Projekt gewidmet, das ich eigentlich vor dem Gürtel angefangen hatte; der ist nämlich aus den Resten des Rockes entstanden:

Ich steht zur Zeit sehr auf Röcke, die Temperatur der letzten Wochen war auch super für Leggins und Strumpfhosen (die man, wenn es mittags über wieder sommerliche fünfundzwanzig Grad gibt, glücklicherweise auch einfach ausziehen kann

), die können bei mir ruhig bunt und auffällig sein.
Die Burda-Version des Rocks ist im ersten Bild des Beitrags zu sehen; im letzten Beitrag war das Bild auch in meiner To-Do-Stoffliste. Und wie im Original hat auch meine Version ein verborgenes Detail:


Der Satin-Rock hat einen dreilagigen Unterrock aus champagnerfarbenem Voile, was – meine ich – eher für Vorhänge und so weiter verwendet wird, aber ich bin total zufrieden mit meiner Wahl bis jetzt. Fühlt sich gut an und kratzt kein bisschen auf der Haut, rutscht nicht großartig herum, fällt traumhaft und war vor allem auch was für meinen doch eher schmalen Geldbeutel. Bloß sollte man sich mit dem Versäubern und dem Saum nähen nicht wie ich ewig Zeit lassen, das Zeit franst sehr aus, was die Verarbeitung ja auch wieder schwerer macht… Letzten Endes hat es ja aber super geklappt.
Rock und Unterrock sind separat, so dass ich Rock wie auch Unterrock einzeln anziehen kann (der Unterrock ist nämlich nahezu blickdickt). Mit Gummischlaufen und kleinen Knöpfen können sie aber verbunden werden, was aber eher einen Beruhigungsfaktor für mich hat, weil die zwei Röcke an sich gut sitzen und nicht groß verrutschen. Man kann sie auch leicht versetzt tragen, so dass der Unterrock nicht nur beim Umherwirbeln heraus guckt, wie auf dem letzten Bild angedeutet.
Burda hat den Rock als Näheinsteiger-Projekt gekennzeichnet, was an sich ja auch okay ist für einen Tellerrock, bloß wäre ich als Näheinsteiger wahrscheinlich am Saum verzweifelt. Ich habe einen Einrollier-Fuß für die Nähmaschine verwendet, der mir den Saum automatisch “einrollt” und näht und das so dünn, wie ich es von Hand nicht hinbekommen hätte. Hat beim Voile exzellent geklappt, beim Satin weniger, aber immerhin besser als es ohne geklappt hätte.
Einen Einrollier-Fuß würde ich aber nicht als Standardrepertoire bezeichnen und die von Burda empfohlenen Stoffarten sind auch nicht gerade das, was ich einem Näheinsteiger hinlegen würde. Den Bund aus Ripsband fand ich auch nicht so sinnvoll – sieht vielleicht edler aus, aber als Anfänger mit einer Burda-Anleitung einen nahtverdeckten Reißverschluss nähen ist schon heavy und große Verwirrung vorprorgrammiert. Ich habe zum guten alten elastischen Bund gegriffen, der wächst wenigstens mit seinen Aufgaben.
Aber okay, es müssen sich ja nicht alle Näheinsteiger so ungeschickt anstellen wie ich damals.
Ich habe erst auf den Bildern gesehen, dass ich den Rock nochmal hätte bügeln sollen, oh well. Fällt im getragenen Zustand und in Bewegung aber schätzungsweise gar nicht so auf.
Ich finde wunderbar, dass der Rock so wandelbar ist, zumindest für meinen Geschmack.
Passt sowohl zur Theaterpremiere als auch für den Alltag. Ich bin auch zufrieden mit meiner Wahl auf den champagnerfarbenen Unterrock, der Kontrast gefällt mir super – schwarzen Voile gab es nicht, die andere Alternative wäre grau gewesen. Aber ich finde es ganz witzig, wenn der helle Unterrock beim laufen und Rock schwingen hervor blitzt.
…Und noch eine Sache: Ich wurde schon öfter nach meinen Fotohintergründen gefragt. Ganz einfach: buntes Packpapier, das ich vor meinen Schrank hänge. Ich habe die Länge bis zum Boden ausgemessen (na gut, geschätzt) und von der Rolle zweimal diese Länge abgeschnitten. Da die Rollen nicht so breit sind wie ich den Hintergrund gerne hätte, habe ich einfach diese zwei Streifen auf der Rückseite mit Klebeband aneinander geklebt.
Gerade gibt es hier im Süden farbiges Packpapier bei Aldi, das in lila sehr ihr auf den Bildern. Reflektiert auch nicht, wie ich das schon mal bei blauem Einschlagpapier hatte. Nur so als kleiner DIY-Tipp.
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