Es hat Klick gemacht und ich weiß jetzt, was mir die ganze Zeit gefehlt hat. Ich weiß jetzt, wo ich zuhause bin.
Wenn du zweieinhalb Monate um halb neun Uhr morgens aus dem Haus gehst und erst um elf Uhr abends wiederkommst, tagelang keine Zeit hast deine Mails zu checken und das Gefühl hast, nur zum Schlafen daheim zu sein, die erste Vesperpause irgendwann um halb fünf machst, und trotzdem jeden Morgen aufstehst und dich auf deine Arbeit freust, gut gelaunt bist und schon mit einem Grinsen in der Bahn sitzt weil du einfach unglaublich Bock auf den Job hast, muss das wohl was bedeuten, oder?

Gestern Abend hatte unser Stück Premiere. Auch wenn wir unvorteilhafte Plätze hatten war das egal, immerhin kannte zumindest ich das Stück ja schon fast auswendig und werde es mir auch nochmal anschauen. Vielleicht wieder mal von hinter der Bühne. Hat auch seinen Charme mit den Schauspielern hinten zu sitzen.




Die Premierengeschenke waren grandios. Irgendwie haben wir uns alle unabhängig voneinander das gleiche Zitat ausgesucht und auf die “Toi, Toi, Toi”-Karten geschrieben (“Scheiße verdammter Scheißdreck!”). Und einen Kunstband über Feminismus und Kunst habe ich geschenkt bekommen. Könnte passender nicht sein.
Ich bin verdammt traurig dass die wunderbare Zeit vorbei ist. Der ganze Stress und Ärger, der sich aber im Endeffekt immer gelohnt hat, schweißt eben zusammen.
Aber: am Theater sieht man sich immer zweimal.
Vielleicht liegt es daran, dass ich zur Zeit mit unglaublich vielen unglaublich kreativen und fachkundigen Menschen zusammenarbeiten darf, dass ich klamottentechnisch etwas Neues ausprobieren wollte.
Schon eine Weile sind mir immer wieder Kleidungsstücke begegnet, bei denen ich mich gefragt habe, ob der Entwurf aus einem Nähunfall entstanden ist, oder – was bei einigen Personen sehr viel wahrscheinlicher ist – so raffiniert und ungewöhnlich genäht ist, dass man dreimal hinschauen muss.
Eine meiner “Kolleginnen” hat immer unglaublich tolle Röcke an, die überhaupt nicht der H&M- und Zara-Norm entsprechen und die wahrscheinlich sehr teuer in der Anschaffung wären, würde sie sie nicht selbst nähen.
Auch wenn ich ihre Kleidung noch so bewundere, ich selbst bin nicht so die Rockträgerin, schon gar nicht unter der Woche. Ich fühle mich grundlos overdressed in Röcken und Kleidern im Alltag.
Schon vor einer Weile habe ich angefangen, mich in der Shorts-Herstellung zu versuchen. Viele Rockmodelle sind einfach zu nähen und wahrscheinlich sind sie eins der Nähanfängerprojekte, aber ich würde sie einfach viel zu wenig tragen, was ich auch schade finde. Kurze Hosen dagegen gehen im Sommer immer! Und da viele meiner kurzen Hosen einfach abgeschnittene und umgenähte lange Hosen sind, die mir zu kurz geworden sind, trifft sich das ziemlich gut, um meine Garderobe etwas abwechslungsreicher zu gestalten.
Also habe ich Stoff bestellt (ja, der gleiche, aus dem auch meine Kameratasche ist. Robust und blickdicht.) und die Zeit am Wochenende sehr produktiv genutzt:


Die Hose ist total bequem und die Länge ist super, ich hatte keine einzige Dreiviertelhose mehr.
Wenn ich demnächst etwas Zeit (und vor allem Lust!) zum Bloggen habe, berichte ich vielleicht über meine anderen Hosenkreationen, für die sich viele andere wahrscheinlich fremdschämen, aber hey, das ist Ausdruck meiner Kreativität und ich kann gut damit leben.
Ein zwölf Stunden-Tag lässt wenig Zeit und Energie zum Bloggen und das Wochenende verbringe ich dann lieber mit etwas Kreativsein.




Ich bin nicht hysterisch. Ich leide. »
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