Schere Stift Papier
Ich habe schon mal erwähnt, dass ich kein Tagebuchschreiber bin, zumindest nicht im klassischen Sinne. Ich habe kein Bedürfnis danach, jeden Tag etwas aufzuschreiben oder jede Kleinigkeit festzuhalten. Manchmal schreibe ich wochenlang nichts in mein “Gedankenbuch” (in Ermangelung eines besseren Wortes), manchmal mehrere Tage hintereinander, aber dann auch mehr Gedanken als was mir am Tag passiert ist. Achja, und meine verqueren Träume natürlich.
Eine etwas andere Art des Tagebuchs sagt mir schon mehr zu: Scrapbooking. Ist auch freundlicher für meine geringe Ausdauer was das tatsächliche Schreiben mit Stift angeht.
Durch Zufall habe ich entdeckt, dass es total viele Blogs gibt, die sich damit beschäftigen; der erste, auf den ich gestoßen bin, war glaube ich dieser hier.
Schöne Inspirationen sind dabei, aber als ich mich mal mit Laura darüber unterhalten habe, habe ich ihr zustimmen müssen, dass die meisten Sachen unserem Ermessen nach zu geschniegelt sind. (Außerdem sagen wir nein zu fertigen Kits und ja zu mehr Eigensinn.)
Ab und zu würde es mir echt Spaß machen, wie früher mit buntem Papier und Kleber rumzuwerkeln, nur jeden Tag wäre mir das zu umständlich.
Daher habe ich mich entschlossen – tada! – ein Traveljournal zu machen. Zwar dauert es noch, bis ich wieder in den Urlaub fahre, aber seit ich die Bilder auf Dispatch from LA gesehen habe, habe ich mir fest vorgenommen, zumindest ein kleines Journal zu machen. Ein Mini-Journal, wie Amanda sie macht, wäre ideal, finde ich.
Wenn ich die Gallerie des Lissabon-Journals sehe, kriege ich jetzt schon Fernweh und Lust zu basteln. Besonders toll finde ich die Aufmachung dieses Journals von Catherine auf ihrem Blog My View. Die Journals auf PolkaDotRobot schaue ich auch gerne an, um Anregungen zu finden. Fehlen nur noch Inhalte und Bilder, die ich im Journal unterbringen muss.
Eine andere Überlegung meinerseits hat sich mit einem Problem, das ich schon ewig habe, beschäftigt: Ich kann keine Papiere in Taschen und Rucksäcken aufbewahren, ohne dass sie komplett zerknittern (es sei denn sie stecken in Ordnern o.ä.). Als wir in der zwölften Klasse das Zeugnis in die Hand bekommen haben, dachte ich sofort: das war’s. Es gab keine Hülle dazu, keinen Ordner wie sonst, einfach nur ein Blatt Papier. (Und wer nimmt am letzten Schultag seine Ordner mit?) Ihr könnt euch denken, wie es jetzt aussieht. Nichtmal kleine Notizbköcke überstehen den Transport in meiner Tasche, irgendwann stehen die Hälfte der Blätter abgeknickt zur Seite weg und der Rest hat auch schon Eselsohren. Ein ewiges Dilemma, das mich enorm auf die Palme bringt. Ich oute mich hiermit als Person mit starkem Ordnungsbedürfnis, falls das noch nicht offensichtlich war.
Was mir eben Kopfzerbrechen bereitet hat, war, dass ich in den nächsten Monaten auf jeden Fall Notizen machen muss, ein Din A 4-Spiralblock aber zu unhandlich und zu unstabil ist. Wenn ich damit versuchen würde, im Stehen, ohne Unterlage, etwas zu notieren, würde das nur in Gekrakel und verdrehten Armen enden.
Ergo: Ich brauche etwas in kleinerem Format, mit möglichst stabiler Rückwand.
Im Internet hatte ich vor dieser Erkenntnis schon viele sogenannte fabric folder gesehen, Portfolios mit Stoffüberzug, in denen meistens ein Notizblock und viel Platz zum Unterbringen von Stiften und Zetteln ist.

© Niesz Vintage Fabric

© LittleBigGirl Studio
Die Stoffe dieser Versionen sind zwar nicht ganz meins, aber mit ein bisschen roten und schwarzen Polkadots stelle ich mir so ein Portfolio ganz cool vor.
Vielleicht bis auf die Tatsache, dass der schöne Stoff schon nach zwei Tagen aussehen würde wie durch eine Mondlandschaft gezogen.
Wenn etwas nicht strapezierfähig ist, ist es in meinem Alltag leicht fehl am Platz – Gebrauchsgegenstände fasse ich ungern nur mit Samthandschuhen an.
Auf einem anderen Blog stieß ich schließlich auf eine andere Idee, die sich wunderbar mit meiner Ausmist- und Wegwerfphase gedeckt hat.

© MaryJanes and Galoshes
Man nehme ein altes Hardcoverbuch, Einschlagpapier, Kleber und voilà.
Unter den Lateinbüchern, die wir mal umsonst in der Schule bekommen haben, weil die auch nichts mehr damit anfangen konnte, war sogar ein Hardcover. An sich sah es schon ganz nett aus, ich habe kein Foto, aber es hatte Retro-Charme. Leider nicht genug um mich umzustimmen, Packpapier als Einband zu nehmen.
Hardcoverbücher bekommt man bestimmt sehr günstig in der Bücherei, da gibt es doch ab und zu immer einen Verkauf von ausgemisteten Sachen. Ansonsten: Stichwort Flohmarkt. Wenn ich irgendwann noch so ein Portfolio machen möchte, werde ich da suchen, da hat Laura neulich auch sehr günstig alte Bücher mit sehr schönem Einband erstanden. Man muss es nur noch übers Herz bringen, die Seiten zu entfernen.
Mein Hardcoverenotizblock sollte entfernt zum Thema Metropolis passen. Fragt nicht!
Ich hatte keinen Leim oder guten Papierkleber da, weswegen das Resultat etwas suboptimal ist, aber es stört mich nicht. Hals-über-Kopf-Bastelaktionen werden eben nur selten perfekt.
Das Buch habe ich mit Packpapier eingeschlagen, das hat farblich am besten zu dem Bild gepasst, das ich mal aus einer Broschüre ausgeschnitten habe. Ein paar Zeitungsfetzen und natürlich mein standardmäßiges gemaltes Auge (um von der durchscheinenden Schrift wenigstens etwas abzulenken).

Die Bilder sind eigentlich in der falschen Reihenfolge. Das Auge ist hinten, der Maschinenmensch vorne.
Für den Notizblock-Teil habe ich einfach einige Seiten aus einem Spiralblock aus Schulzeiten gerissen und mit der Papierschneidemaschine zurecht geschnitten.


Das Fach für Zettel ist etwas provisorisch. Vielleicht reiße ich es irgendwann raus und bastel ein neues hin, mal sehen. Bis jetzt hat es seinen Zweck super erfüllt.
Abschließend habe ich dem Einband noch eine Schicht DesignFreeze verpasst. Ich liebe es, es ist jetzt als hätte das Papier eine dünne Schicht Plastik oben drauf. Es ist wasserabweisend (abwischbar! Fast immun gegen Schmutz!) und sehr viel stabiler. Nur Papier als Einband wäre bei meinen Verhältnissen schon in kurzer Zeit voller Macken und Risse.
Als nächstes kritzel ich noch Sprüche auf den Einband. Je surrealer desto besser, harhar.
Wahrscheinlich ist es nicht unbedingt aufgefallen, dass manche Bilder ein neues Format haben. Und hoffentlich bessere Qualität. Mit meiner alten Digitalamera konnte ich einfach nicht mehr zufriedenstellend arbeiten, daher habe ich die Investition gewagt und eine neue Kamera gekauft, die mir das Fotografieren hoffentlich sehr vereinfacht und ich keine zwanzig Bilder mehr schießen muss, bis eins darunter ist, das nicht verwackelt oder unscharf ist.
Cooler Nagellack!
Ich will dieses DesignFreeze auch!
den Folder find ich voll genial
Das Auge ist wie immer der Hingucker schlechthin (haha schlechtes Wortspiel), die Zeitung find ich auch toll und das Bild, aber mit den Sprüchen stell ich mir das ganze noch besser vor. Musst du mir dann zeigen.
Die kleinen Bücher sehen echt toll aus, bräuchte auch mal wieder welche :/
Schöner Nagellack ^^