Show-and-Tellerrock, Teil I: Schnitterstellung und Zuschnitt

Los geht es mit dem betreuten Nähen! Are you excited? Because I sure am! Ihr braucht:


– Oberstoff (am besten nicht zu flattrig und durchscheinend! Hier funktionieren dichtere Stoffe am besten)
– Futterstoff
– einen Nahtreißverschluss, ca. 20cm lang (besser länger)
– wenn ihr Nahttaschen machen möchtet: die könnt ihr z.B. aus dem Futter zuschneiden. Ich mag es etwas strapazierfähiger und verwende meistens ganz gewöhnliche Uni-Baumwolle
– wenn ihr Aufhänger einnähen möchtet: ich verwende sehr gerne das handelsübliche Satinband dafür. Ihr könnt natürlich auch Lederbändchen oder sonstwas nehmen. Wie ihr mögt!
– (Bund-)einlage
– Versteifungsband (auch Crinoline oder horsehair braid), erhältlich z.B. auf Ebay

Die Anleitungen werden sehr bildlastig ausfallen, daher werde ich sie mit Cuts versehen. Ready?

Da Tellerröcke durch ihre Form an verschiedenen Stellen verschiedene Fadenläufe aufweisen, kann es sein, dass diese Stellen sich unterschiedlich aushängen – viele kennen das bestimmt, dass Teile im schrägen Fadenlauf eher zum Ausziehen neigen als welche im geraden.
Die übliche Methode ist, den Rock vor dem Säumen erst mal aushängen zu lassen und den Saum dann wieder auszugleichen. Ich habe hier eine andere Herangehensweise gewählt und den schrägen Fadenlauf im Schnitt berücksichtigt; der Rock wird fix und fertig genäht und dann erst ausgehängt.

Auf den Schnittaufbau bin ich bereits in der ersten Fragenrunde eingegangen, erläutere die Vorgehensweise hier aber auch nochmal:


Bei diesem Viertelskreis ist der Radius die gewünschte Länge des Rocks + der Radius eurer Taillenweite.
Die Seitennaht und die vordere bzw. hintere Mitte verlaufen parallel zur Webkante bzw. im rechten Winkel dazu, sind also im geraden Fadenlauf. Würde ich dieses zugeschnittene Teil aushängen lassen, würde sich der Teil im schrägen Fadenlauf mehr aushängen als der im geraden. Dies mache ich mir zunutze und gebe die Saumzugabe nur an der VM/HM und der Seitennaht hinzu, lasse sie im schrägen Teil weg, da dieser sich auf das gleiche Niveau wie der gerade Teil aushängen wird.
Ich gebe zwei Zentimeter an der SN und VM/HM hinzu (einen Zentimeter zum Annähen des Futters, einen Zentimeter zum Umbügeln) und zeichne dann die Linie neu aus, so, dass sie an der 45°-Linie wieder auf den ursprünglichen Kreis trifft.

Bitte beachtet: Ich kann nicht für jeden Stoff garantieren, dass diese Methode funktioniert! Bei den zwei Röcken, die ich mit dieser Methode genäht habe, hatte ich den gewünschten Effekt: dass der Stoff sich im schrägen FDL aushängt und dann auf der gleichen Länge wie der gerade FDL ist. Wahrscheinlich stimmt die Länge nicht überall auf den Millimeter genau, aber von der Optik her ist er auf jeden Fall überall gleich lang – und das reicht mir persönlich.

Weiter geht es mit den Live Action-Bildern, die auf der Terrasse entstanden sind, weil dort am meisten Platz war:


Zu sehen ist mein (zugegeben, etwas wackeliger) Viertelskreis, den ich mithilfe von einem Fadenzirkel gezeichnet habe. Das Papier ist zwei zusammengeklebte Bögen Packpapier. Ich empfehle, eine der maschinell geschnittenen Seiten als Seitennaht oder VM/HM zu verwenden, und dann im rechten Winkel dazu die jeweils andere Linie zu zeichnen. Außerdem habe ich die 45°-Linie markiert.
Wichtig ist auch, dass eure Linie an der SN und der VM/HM einen rechten Winkel ergibt, sonst entsteht dort ein Zipfel.
Das Maß für den Radius ist eure gewünschte Rocklänge + der Radius eurer Taillenweite (Berechnung siehe unten).




Als nächstes habe ich meinen Schnitt an der 45°-Linie geknickt, das Papier liegt doppelt. Somit fällt die Konstruktion leichter. An der Seitennaht habe ich dann zwei Zentimeter für den Saum angezeichnet.
Von diesem zwei Zentimetern aus habe ich den Kurvenverlauf neu ausgezeichnet, sodass er an der 45°-Linie wieder auf den ursprünglichen Kreis trifft.
Am besten erst mal mit Bleistift vorzeichnen. Wer ein Kurvenlinial hat: umso besser!
Jetzt braucht ihr ein Maßband, mit dem ihr euer Körpermaß an der Stelle, an der der Rock sitzen soll, nehmt. Ich persönlich mag meine Röcke ja so hoch wie möglich, Laura wollte ihren Rock etwas weiter unten sitzen haben.
Mit der Formel Körpermaß/2*pi könnt ihr den Radius für die Bundansatznaht ausrechnen. Vergesst nicht noch die Nahtzugabe anzuzeichnen!

Schließlich könnt ihr den Schnitt ausschneiden; wenn ihr ihn wieder aufklappt sehr ihr, dass der Kurvenverlauf schön symmetrisch ist. Letztendlich empfehle ich noch, Zwicke zu setzen: an der VM, HM und der 45°-Hilfslinie. Wer möchte, kann natürlich mehr Zwicke setzen, aber ich finde, dass diese reichen (die Seitennähte dienen auch als Anhaltspunkt).

Weiter geht’s mit dem Zuschnitt!
Wie ihr den Rock zuschneidet, hängt von dessen Länge und der Breite des Stoffes ab. Ist der Rock kurz, könnt ihr den Stoff ganz gewöhnlich mit der linken auf der rechten Webkante legen – bei Stoffen mit Strich würde ich den Rock nur so zuschneiden. Der Strich sollte dann parallel zur vorderen und hinteren Mitte verlaufen.
Ist euer Rock länger als eure halbe Stoffbreite (so wie bei mir) müsst ihr den Zuschnitt anders gestalten:


Die VM/HM verläuft dann orthogonal zur Webkante und wird im Bruch zugeschnitten.
Normalerweise ist die Nahtzugabe an meinen Schnitten immer berücksichtigt, hier habe ich an der Seitennaht noch keine angezeichnet. Nachdem ich den Schnitt festgesteckt habe, habe ich noch zwei Zentimeter NZG an der Seitennaht auf dem Stoff angezeichnet.
Nach dieser Methode schneidet ihr jeweils zwei Halbkreise aus Oberstoff und Futter zu.

Für den Bund habe ich ein gerades Stück in der gewünschten Breite (plus NZG) zugeschnitten. Das Rechteck sollte auf jeden Fall länger als euer Maß vom Bundansatz sein – ich habe einfach ein langes Stück genommen und dann erst am Ende, nachdem ich den Bund aufgesetzt habe, abgeschnitten.
Wenn ihr es genau wissen wollt: die Bundlänge sollte euer Bundansatzmaß + Länge des Übertritts (z.B. 3cm) + NZG zum Verstürtzen (ich habe zweimal 1cm genommen) sein.

Das war es fürs Erste! Am Montag geht es weiter mit der Bundvorbereitung, Nahtreißverschluss und Nahttasche. Die Übersicht der Posts findet ihr im Tag Show-and-Tellerrock.

4 Kommentare zu “Show-and-Tellerrock, Teil I: Schnitterstellung und Zuschnitt

  1. Liebe Jenny!
    Wenn ich statt des schmalen Bundes lieber eine breitere Passe nähe, dann ändert sich doch nur, dass ich den Reißverschluss über Passe und Rock laufen lasse, oder?
    LG, Luise

  2. Huhu,
    ich bins wieder – ich habe nämlich gerade erstmal meinen Stoff zugeschnitten.
    Mir ist was an deiner Anleitung aufgefallen: Der erste Radius den du angezeichnet hast entspricht nicht der Länge des Rocks, sonder der Länge + dem Radius des Taillenumfangs.
    Oder hab ich einen Denkfehler?
    Alles Liebe, Freja

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