You’re free but in your mind, your freedom’s in a bind.
Eines Abends hat Miss Harrcore mich mit ihrem Tweet zum Nachdenken gebracht und mir einen neuen Anstoß gegeben, mir den Artikelentwurf, der in meinem WordPressadminbereich auf Bearbeitung wartet, nochmal durchzusehen.
Meiner Ansicht nach sollte jeder tun und lassen dürfen, was ihm gefällt, mit der Voraussetzung, dass niemand bei der Tätigkeit zu Schaden kommt. Dabei ist es völlig egal, ob ich dieses oder jenes nicht gut finde, zum Beispiel interessieren mich Autos nicht die Bohne, kann mich aber nicht darüber beschweren, wenn ein Freund Geld dafür hinblättert, das er in meinen Augen besser hätte investieren können. Oder wenn Leute über Schminke bloggen und sich in ihren Outfits präsentieren. Ist ja alles legitim.
Ich kann keinem vorschreiben, wie er seinen Blog, seine Meinung zu gestalten hat, aber man kann doch darüber reden, oder? Was ist aus der Kunst der Diskussion geworden? Natürlich muss ich einen Blog, dessen Themen mir nicht gefallen, nicht lesen, um mal das Standardargument vorweg zu nehmen, aber das schließt ja nicht aus, dass man Kritik anbringen darf, diskutiert, am Ende auseinander geht und jeder hat im Idealfall was dazugelernt.
Dass ich einen Informationsfluss selektieren kann macht die Tatsache, dass die von mir ausgeblendeten Themen immer noch da sind, ja nicht besser. Im Gegenteil.
Da wäre zum Beispiel das Sponsoring. Ein Phänomen, das mir vor allem, aber nicht nur, von Schminkblogs bekannt ist.
Der Blogger erhält bestimmte Produkte kostenlos, im Gegenzug wird erwartet, dass er diese in einem Blogpost und somit für die Öffentlichkeit zugänglich bewertet werden.
Das Problematische an dieser Sache ist, meiner Meinung nach, dass viele Menschen die manipulative Wirkung der Medien verdrängen. Wenn ich diese sogenannten Reviews der Produkte lese frage ich mich häufig, ob wir nicht verlernt haben, uns kritisch mit Dingen auseinander zu setzen. Damit meine ich nicht nur den Inhalt der Reviews an sich, der oft einfach aus lobenden Zeilen besteht, sondern auch wie andere Menschen auf solche Testberichte reagieren.
Viel zu oft wird einfach hingenommen, was da steht, in der Annahme, eine (scheinbar) unabhängige Person, die uns zum Kauf eines Produkts rät, sei viel glaubwürdiger als ein Promi, der uns dasselbe in einem Fernsehspot erzählt. Oder die Firmen seien kooperativ und cool drauf, weil sie Gratiszeug verschicken. Mag ja sein, aber mich beunruhigt das eher: Firmen, Verlage, je nachdem, dringen in den semiprivaten Bereich eines Internetnutzers ein, der sich bereitwillig als Werbetafel benutzen lässt. Wie Miss Harrcore bereits mit anderen Worten sagte: nur, weil eine Review negativ ausfällt, der Blogbetreiber sich bemüht, kritisch zu urteilen, heißt das nicht, dass es keine Werbung ist.
Wir leben in einer Zeit, in der wir unsere Idealbilder den Medien übernehmen, auch dem Internet. Wir wachsen damit auf, dass uns überall Werbung umgibt, und anscheinend ist die nächste Stufe, dass wir in Zukunft nicht einmal mehr selbst unterscheiden können, was Werbung ist und was nicht, was echt ist und wer nur dem Sponsor schmeichelt, was Marketingstrategie und was Ehrlichkeit ist, wo die Grenzen zwischen Marketing und realem Leben sind. Wir sind käuflich geworden und merken es nicht mal, weil wir denken, unabhängig zu entscheiden, aber wer kann das schon? Besonders jüngere Internetnutzer sind hier doch leichte Beute für die Firmen, da sie viel eher zu den älteren Bloggern aufsehen wie zu einem älteren Geschwisterkind, das seine guten Ratschläge zu Produkten selbstlos ins Netz stellt.
Wenn mir auf der Straße jemand sagen würde, ich solle dies und das aus jenem Grund kaufen, würde ich eine Augenbraue hochziehen und denken, dass mich jemand ködern will. Wieso vertrauen wir also Fremden im Internet, die von Firmen gesponsert werden?
Leute, die sich mit Schminke beschäftigen, werden als “Gurus” betitelt und jeder, der sich in seinen online bestellten Klamotten präsentiert, kann heute das Ansehen eines Modespezialisten genießen, dabei beschäftigen sich doch die wenigsten wirklich mit Mode als viel mehr dem eigenen Konsum, vergessen die Vorbildfunktion, die jeder haben sollte – und lehren (um auf den anfangs erwähnten Tweet zurück zu kommen) der nächsten Generation, dass es okay ist bei Billigdiscountern, deren Produkte übel mit Chemikalien belastet und deren Firmenhintergründe zweifelhaft sind (1, 2, 3) einzukaufen, hey, immerhin hat man ein schickes Teil für wenig Geld mehr im Kleiderschrank, aber die für Fotos unvorteilhaften Umkleiden, die sollten sie wirklich mal ändern.
Bloglovin'
Google+
Blogger
Flickr