Dienstag
25. Januar
2011

Banging your head against a brick wall

Neulich habe ich nach der Arbeit eine Entdeckung gemacht. Ich saß an der Haltestelle, schaute auf die Bahnanzeige, guckte weg, und da war er. Auf dem Mülleimer, ein Sticker, der mich sofort aufspringen ließ.


Das Trollface grinste mich hämisch an, ziemlich passend, denn ich habe den Aufkleber einfach nicht abbekommen, leider. Mit der Handykamera habe ich noch schnell ein Foto geschossen, um meine Entdeckung später Harri zu zeigen (endlich ein Konversationsstarter! Gibt es dazu schon einen socially awkward penguin?).

Ich bin ein totaler Fan von Streetart. Mein neuestes Buch in der Rubrik befasst sich mit Stickern und Paper Graffiti Art. Vielleicht überwinde ich eines Tages meine Paranoia, dass sofort Sirenen losheulen werden wenn ich einen Sticker auf eine Werbetafel klebe, und lege selbst los. Das ist schon ein kleiner Traum von mir.
Ein tolles Beispiel für Sticker als Streetart ist beispielsweise das Projekt I wish this was von Candy Chang. Die Künstlerin druckte Sticker im Stil der “Hello, my name is”-Aufkleber, nur mit dem Text “I wish this was”, und verteilte und und beklebte Häuserwände, Bauzäune und leere Schaufenster in New Orleans. Passanten konnten so leicht ihr Feedback zu ihrer Nachbarschaft abgeben – ich war erstaunt, dass die meisten Wünsche so ernsthaft waren, etwa nach einem finanziell tragbaren Einkaufsladen oder mehr sozialen Einrichtungen.


Am Sonntag darauf war ich wieder mal dem ausgedünnten Fahrplan ausgesetzt. 13 Minuten auf die Bahn warten? Nein danke. Ich habe beschlossen, eine andere Bahn zu nehmen und den Rest zu laufen, wäre plusminus ein paar Minuten auf das gleiche herausgekommen.
Auf meiner Strecke suchte ich nach einem weiteren Trollface-Aufkleber, der sich vielleicht leichter ablösen ließe, bin aber nicht fündig geworden. Stattdessen habe ich total viele andere Sticker entdeckt. Werbung für Bandauftritte, neu eröffnete Läden, Discos. Aber auch viele kleine Figuren, Aufkleber mit Sprüchen, sogar ein Batlogo habe ich gesehen.
Ich muss sagen, dass diese Nachbarschaft nicht gerade zu den schönsten Stuttgarts zählt. Sicher, es gibt schlimmere, aber die Gebäude sind alt und hier und da gibt es auch einen geschlossenen Laden oder eine leerstehende Bar, deren Äußeres bei weitem schon bessere Tage gesehen haben. Ein gefundenes Fressen für Plakat- und Graffiti-Künstler. Teilweise wurden auch Tafeln für Werbung angebracht, aber diese Plakate sind meistens abgerissen oder überklebt worden.
So bin ich an fast jedem Hauseingang, Laternenpfosten und Verkehrsschild auf neue Motive gestoßen – ein paar davon haben mir besser, andere schlechter gefallen.

Als ich am Ziel war dachte ich nochmal über diesen mehr oder weniger freiwilligen Spaziergang nach. Ich hatte kein einziges Mal gedacht, dass diese Plakate und Sticker die Ästhetik der Umgebung abwerten, im Gegenteil, sie waren das Einzige, was ich an der Umgebung überhaupt sehenswert fand und habe mir gewünscht, dass ich eine bessere Kamera (dabei) hätte, um ein paar dieser Highlights festzuhalten.
Sicher, ich persönliche finde es auch nicht sehr ästhetisch, wenn jemand seinen Tag an einem Wohnhaus hinterlässt, und über den künstlerischen Wert kann ich da auch nicht viel zu sagen. Trotzdem bin ich sehr abgeneigt, Graffiti und andere Streetart als Vandalismus zu sehen.
 
Kennt ihr diese neuen Werbetafeln? Die, bei denen die Werbebanner quasi durchlaufen und man für eine halbe Minute eine Werbung sieht, die dann von einer anderen abgelöst wird? Das ist ja an sich nichts Neues, aber an einigen Haltestellen und öffentlichen Plätzen, an denen bisher ganz einfache beleuchtete Anzeigen waren, habe ich jetzt solche Durchlaufanzeigen gesehen, bei denen sich die Werbungen abwechseln, aber in einem Abstand, der nicht mehr als ein paar Sekunden betragen kann.
Ich frage mich, warum Leute sowas machen, klar, möglichst viel Werbung in möglichst kurzer Zeit zu zeigen, um möglichst viel Geld zu machen, aber bevor ich mich überhaupt mit der Werbung auseinandersetzen kann, ist schon die nächste da. Nicht nachdenken, nur konsumieren. Ich finde diese Tafeln schrecklich, das Geräusch, mit dem diese Plakatrolle bewegt wird, macht mich unruhig, die ständige sich abwechselnde Anzeige mach mich wütend, weil heutzutage alles nur noch aus Werbung zu bestehen scheint, möglichst viel, möglichst oft. Was soll daran besser sein als an dem, was von den Initiatoren dieser Werbung als Vandalismus bezeichnet wird? Meiner Meinung wird eine Umgebung durch eine Werbetafel, die nicht eine, nein drei oder mehr Anzeigen zeigt, viel mehr verunstaltet, als dies jedes Graffiti jemals könnte.

The people who run our cities don’t understand graffiti because they think nothing has the right to exist unless it makes a profit. The people who truly deface our neighborhoods are the companies that scrawl giant slogans across buildings and buses trying to make us feel inadequate unless we buy their stuff. Any advertisement in public space that gives you no choice whether you see it or not is yours, it belongs to you, it’s yours to take, rearrange and re-use. Asking for permission is like asking to keep a rock someone just threw at your head.
– Banksy

Montag
13. Dezember
2010

Früher wurde einem immer gesagt, man solle sich nicht mit Fremden aus dem Internet treffen.

Bei der Mädchenmannschaft stieß ich vor einer Weile auf einen Kommentar, dessen Inhalt kurz darauf auch in einem Artikel vorgestellt wurde.
Saja arbeitet an ihrer Diplomarbeit und suchte dafür Feministen und Feministinnen aus ganz Deutschland, die sich für eine Fotoserie ablichten lassen würden.
Da ich in der Nähe wohne, habe ich mich auch angeboten, und so haben wir uns gestern in Stuttgart getroffen. Das dritte Café, das wir aufgesucht haben, hatte dann auch zwei freie Plätze. ;)
Der Tag hat mir extrem viel Spaß gemacht. Ich liebe es, über Feminismus und Antisexismus zu reden, und am schönsten ist es mit Leuten, die auch in der Materie drin sind, deswegen fand ich es toll, interviewt zu werden und ein bisschen über das Thema zu quatschen. Auch wenn mir die besten Antworten und Beispiele erst eingefallen sind, als ich in den Bus nach Hause gestiegen bin, aber wem ist es nicht schon mal so gegangen.

Das Fotoshooting war auch witzig, ich weiß gar nicht mal wieso ich so viel gelacht habe, es war jedenfalls eine ziemlich lockere Stimmung, ich hoffe die Bilder sind was geworden. Wenn ich die Ergebnisse habe, werde ich sie vielleicht auch hier zeigen oder als Profilbild verwenden.
Ich freue mich schon auf Sajas Ausstellung und wer weiß, vielleicht finden sich ihre Bilder ja irgendwann mal in der ein oder anderen Onlinezeitung. :D

Dienstag
22. Juni
2010

Zwischen Kaiserreich und Diktatur.

Das Abi in Baden-Württemberg ist so gut wie rum; Freitag war mein letzter Schultag. Ich freue mich nicht, bin aber auch nicht traurig. Es ist so eine egal-Stimmung, ich bin gern zu Schule gegangen, alles in allem, weil ich gerne Dinge dazulerne. Vielleicht nicht mathematische, vielleicht nicht physikalische, aber es gab viele Fächer, die ich gerne hatte, mal nur so die Fächer für sich betrachtet. Es gibt ja auch Lehrer, die einem das Lieblingsfach versauen können.
Andererseits bin ich unglaublich froh, bestimmte Leute in den nächsten Jahren nicht wieder sehen zu müssen. Die beiden Aspekte neutralisieren sich anscheinend, anders kann ich mir nicht erklären, warum es mir relativ egal ist.

Gestern mussten wir um acht Uhr in der Schule erscheinen, um unsere Abiturnoten und Themen der mündlichen Prüfung entgegen zu nehmen. Ich hab mich darauf eingestellt, länger warten zu müssen, ich bin mit W am Ende der alphabetisch geordneten Klassenliste. Um neun Uhr sollte die nächste Klasse dran sein, tja, da standen wir auch noch dran und haben gewartet.
Nach zwei Stunden war es dann so weit und nach zwei Minuten in dem Besprechungszimmer war ich schon wieder draußen. Ist ja schön wenn man sich für Leute Zeit nimmt, aber es ist auch nicht gerade fair, wie ich finde, Leute zwei Stunden warten zu lassen und sie nach vier gewechselten Sätzen wieder zu entlassen. Die Klasse, die nach uns dran war, hat ja auch komplett eine Stunde warten müssen, bevor sie überhaupt anfangen konnte.
Aber okay, das Schulgelände wurde schnellstmöglich verlassen und die Staatsbibliothek Stuttgart angestrebt. Wir haben das Ordnungssystem nicht wirklich durchschauen können und die Bücher, die wir gesucht haben, waren teilweise irgendwo verschollen, aber nach einigem Aufregen hab ich schließlich doch was zum Thema Kunst in der Weimarer Republik ausleihen können (dank dem Büchereiausweis von Carolas Schwester).
Jetzt wisst ihr, was ich die nächste Woche lang mache, nächsten Montag ist Prüfung.

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