Dienstag
22. November
2011

How would you cope if the world decided to make you suffer for all that you were?

Als ich vor einigen Jahren die ersten Gehversuche mit der Nähmaschine unternommen habe, habe ich mir gerne Inspiration von einer Livejournal-Community geholt. Ich weiß gar nicht mehr, wie sie heißt, weil ich auch schon lange nicht mehr dort vorbei schaue. Es ging eher um die Weiterverarbeitung oder das Aufpeppen von bereits vorhandenen Kleiderstücken als um die Selbsterstellung von Klamotten und hatte viele dankbare Projekte für Anfänger zu bieten.
Im Kopf geblieben ist mir allerdings Lex mit ihrem Label Smarmy Clothes. Ich habe schon damals ihre Farb- und Musterzusammenstellung und die Weiterverarbeitung von Band-T-Shirts bewundert (sie betreibt übrigens auch eine Tutorialseite).
Jahre später bin ich dann auf eine Kollektion von Maya Hansen gestoßen, ich weiß gar nicht mehr ob der Link in Zusammenhang mit Smarmy Clothes genannt wurde oder ob ich selbst beides in Verbindung gebracht habe. Jedenfalls finde ich die Kombi Korsett bzw. Korsagenoberteil plus Bandshirt verdammt cool. Damals habe ich auch schon erste stümperhafte Versuche in diese Richtung unternommen, bin aber am Jersey der Shirts verzweifelt. Viel hat sich da auch nicht geändert. Heute weiß ich zwar mehr, aber gewisse Dämonen fordere ich nur ungern heraus.

Vor ein paar Wochen habe ich das Projekt Korsage dann aber in Angriff genommen. Den Anstoß dazu hat wahrscheinlich die Korsage gedient, die ich auf dem Flohmarkt gefunden habe, ganz schlicht in schwarz, sieht eher aus wie ein trägerloses Top als eine Korsage. Das Tragegefühl war so überraschend angenehm, dass alle Zweifel beseitigt waren. Ich habe das Gefühl, dass meinem Rücken die gerade Haltung, die man durch die Stützstäbchen hat, total gut tut; ich habe mich auch nicht wie befürchtet eingeengt gefühlt und Luft holen war auch kein Problem.
Also: let’s do it. Da man angenehmer Weise eher wenig Stoff benötigt, habe ich geguckt, was meine Reste so hergeben und mich dann – unüblich bei mir, aber super hilfreich! – an die Skizzen gesetzt:

Ein Unterbrustkorsett ohne Schnürung sollte es werden (also die Skizzen links), Farbschema schwarz/rot. Nächster Schritt: Zuschneiden und Materialien zusammensuchen.

Zuerst habe ich ein Probeteil aus festem Baumwollstoff genäht. Den habe ich von meiner Großcousine, die ihn von der Schwiegermutter bekommen hat, falls ich das richtig im Kopf habe. Probeteil hat nach ein paar Änderungen gepasst und wurde wieder auseinander genommen, um den Oberstoff damit zu verstärken. Das funktioniert super! Der Oberstoff ist ein ziegelroter Satin, von dem man nicht richtig sagen kann ob er rot oder orange ist, teils mit Polkadot-Tüll überzogen (ich dachte ich brauche diese Reste niemals auf, und tada! Eines Besseren belehrt.), als Futter schwarzen Futterstoff und zum Schließen Reste des Haken-und-Ösen-Bandes, das ich auch schon jahrelang besitze und nicht angerührt habe. Bei manchen Dingen warte ich eben gerne auf das Projekt, vor allem, wenn sie so teuer sind wie das Band…
Nicht abgebildet sind Korsettstäbchen, Satin-Schrägband und Satinband, mit dem ich die Nähte verdeckt habe.
Viele Arbeitsstunden später sieht das Ergebnis so aus:

Ich bin verdammt stolz. Gut, am Futter hab ich übel geschlampt, aber hey, ich wollte fertig werden und irgendwann ist dann auch meine Geduld zu Ende. Aber mit dem Rest bin ich erstaunlich zufrieden. Ich hatte weit weniger Probleme und Nervenzusammenbrüche als erwartet, dafür, dass das Ergebnis so überzeugend geworden ist. Wahrscheinlich, weil ich im Voraus geplant und ein Probestück gemacht habe. Es passt auch super, ist an ein paar Stellen vielleicht einen Hauch zu groß, aber das macht nichts. Vielleicht ist es auch eher eine Korsage als ein Korsett, so stark formt es meinen Körper nämlich nicht.
Der Soundtrack (und Namengeber) für dieses Teil war Girls like you von The Naked and Famous: don’t you know people write songs about girls like you?

Das Outfit werde ich übrigens an der nächsten Premiere anziehen, ich freue mich enorm. Diese Premiere wird mein vorgezogenes Weihnachten. Nein, besser, aus Weihnachten mache ich mir nicht viel.

Samstag
01. Oktober
2011

Näherbschaft

Wenn ich so höre und sehe, was für tolle Sachen Leute von ihren Omas bekommen haben – ganze Nähkästchen, schöner alter Stoff, Garn, alte Knöpfe, Gürtelschnallen die sowas von vintage sind – wünsche ich mir, dass meine Omas ein bisschen handwerklicher wären.

Diese Woche klingelte meine Nachbarin – sie habe von ihrer Schwiegermutter noch so viel weißes Garn und alte Knöpfe, ob ich davon etwas brauchen könne. Meine erste Näherbschaft! Außerdem habe ich noch zwei Scheren abgestaubt.

Allein schon das Design der Verpackung schreit “retro”, oder? :) Besonders toll finde ich das Logo der Firma. Leider steht nirgends ein Verkaufs- oder Fertigungsdatum.
Die Zickzackschere schneidet super, als hätte ich sie neu gekauft. Außerdem habe ich noch eine Zuschneideschere bekommen. Zusammen mit dem langen Wochenende heißt das hoffentlich, dass ich euch bald wieder ein paar Ergebnisse präsentieren kann. Die letzten Wochen waren etwas stressig, aber ich gewöhne mich langsam an die neue Routine. Außerdem hat ja die neue Spielzeit angefangen – die erste Premiere war ein voller Erfolg und ich freue mich auf die restlichen Stücke, die noch anlaufen werden. Theater ist so herrlich entspannend, finde ich, danach fühle ich mich immer richtig ausgeglichen. Und wenn ich Freunde und Bekannte treffe bin ich natürlich umso happier. :)

Ich hoffe, ihr könnt das lange Wochenende genießen. Was für ein herrlicher Herbst!

Donnerstag
11. August
2011

Home is where the heart is

Es ist August, aber dass Sommer ist, merke ich nicht am Wetter, nur daran, dass am Theater Sommerpause ist. Mein Jahr ist mittlerweile nach Spielzeiten unterteilt und Freizeit richtet sich nach den Vorstellungen. (“Nein, ich kann nicht – Theater.”)
Da aber momentan hier nichts los ist – Sommerpause, wie gesagt – bin ich eine Weile weg vom Fenster. Urlaub und erst mal wieder ankommen und dann gleich wieder starten, aber das hat nichts mit Wegfahren zu tun, sondern mit der Zukunft. Ich freue mich auf den September. Riesig. Weil das Leben vorangeht und ich es kaum erwarten kann, die Jungs vom Theater wiederzusehen, egal ob sie auf oder hinter der Bühne zugange sind, aber zwei ganz besonders (wir haben uns nicht verabschiedet, nur einen tollen Sommer gewünscht, weil es kein Abschied ist, nur die Sommerpause). Und meine Lieben von den Werkstätten.

Home is where the heart is. Vielleicht ist Zuhause gar kein Ort, sondern ein Gefühl.

Wir sehen uns im September.

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THEATERHANDWERK

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