Weil Sprache für mich politisches Mittel ist, bin ich gerne mal übergenau.
Auf Arbeit habe ich manchmal ein Problem. Kein gravierendes, aber dennoch bringt es mich immer wieder zum Grübeln und hat mich auch schon einmal im Satz stocken lassen.
Meine Chefin hat mich gefragt, ob ich etwas über die Zugänge – neu ankommende Patienten und Patientinnen – wüsste. Für die Station zuständig war ein männlicher Angestellter, dessen Auskunft ich weitergeben wollte: “Ja, die kommen alle auf die E4, hat…” Ja, hat wer gesagt? Die “männliche Schwester”? Der Pfleger? Ich nannte also die letzte Variante, fühlte mich dabei aber komisch.
Ich finde die Berufsbezeichnung “(Kranken-)Schwester” an sich bescheuert und veraltet. Letzteres, weil sie bereits durch eine andere Bezeichnung abgelöst wurde, die benutzerfreundlicher und, finde ich, auch fairer den Ausübenden des Berufes gegenüber ist. Bei “Gesundheits- und KrankenpflegerIn” muss man keine umständliche Wortakrobatik vollführen, um Männer nicht sprachlich von dem Beruf auszuschließen. Und die weibliche Form lässt sich ebenfalls leicht bilden, keine der Parteien sollte also benachteiligt sein.
Ich habe für mich ausgemacht, ab jetzt “Pflegerin” statt “Schwester” zu sagen. Immerhin sollen die weiblichen Beschäftigten mit den männlichen auf einer Stufe stehen.
Außerdem habe ich mir lange überlegt, den gender_gap hier auf dem Blog zu benutzen und möchte jetzt, im neuen Jahr, damit anfangen.
Der gender_gap ist eine Weiterentwicklung des Binnen-I, das eingeführt wurde, um nicht nur die männlichen, sondern auch die weiblichen Gruppenangehörigen sichtbar zu machen. PflegerInnen, hieße das dann am konkreten Beispiel.
Der gender_gap hat die Aufgabe, nicht nur die weibliche und die männliche, sondern auch jede andere Geschlechtsidentität sowie die sozialen Geschlechter in der geschriebenen Sprache sichtbar zu machen. Immerhin gibt es Menschen, die sich weder dem einen, noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen.
Ich persönlich finde den gap nicht sehr schön anzusehen und sehr gewöhnungsbedürftig. Zum ersten Mal habe ich ihn wahrscheinlich im Blog der Mädchenmannschaft entdeckt. Aber, liebe Leser_innen, der Gedanke dahinter hat mich überzeugt. Und schließlich sind wir ja alle Gewöhnungstiere.
Also mich würde es nicht stören und ich würde mich in meiner Weiblichkeit nicht angegriffen fühlen, wenn du nur “Leser” schreibst. Ich würde mich da keinesfalls irgendwie unterbewertet oder so fühlen. Stört es dich denn, wenn du überall nur die “männliche” Bezeichnung liest? Ich weiß nicht, Feminismus in allen Ehren, ich finds ja gut, wenn man für die weibliche Bevölkerung kämpft, aber so übergenau, wie du schon sagtest ist fast ein bisschen übertrieben^^
Wie wärs mit Schwester und Schwesterich
@Celina: Jo, hab ich früher auch so gesehen und ich selbst bestehe auch nicht auf die Ausschreibung aller Geschlechter. Ich finde es nur fairer den Leuten gegenüber, die sich durch die gängige männliche Form, hinter der sich die weibliche versteckt, unterrepräsentiert fühlen.
Außerdem ist das mit dem “übertrieben” ja wohl subjektives Empfinden. Als ich das erste Mal von geschlechtsneutraler Ausschreibung gehört habe fand ich es auch unnötig, mittlerweile hat sie mich aber überzeugt.
Und wie wärs mit Bruder und Bruderin? Solche “witzigen” trivialisierenden Argumente hab ich alle schon gehört. Hallo derailing.